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Digitales Fachforum zu drängendem Thema in Südhessen / Positiver Beitrag des Ökolandbaus

Groß-Gerau, 03.11.2020. Welchen Beitrag kann der Ökolandbau zum Grundwasserschutz in Südhessen leisten? Dieser Fragestellung geht die Ökolandbau Modellregion Süd am 16. November von 13:30 bis 17 Uhr in einem digitalen Fachforum nach. In einem geschützten Videokonferenzraum können sich alle interessierten Teilnehmer bereits ab 13 Uhr zum technischen Check einfinden. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Neben der Fruchtbarkeit der Böden ist die Verfügbarkeit von sauberem und mengenmäßig ausreichendem Wasser eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Landwirtschaft. Gerade im Hessischen Ried werden Landwirte bei dem Thema Grundwasser jedoch immer häufiger vor Probleme gestellt. Die Ausgangslage in Südhessen ist schwierig, die Nitratbelastung ist auch aufgrund geologischer Merkmale hoch. 

Mit viel Information, Expertenwissen, Gelegenheit für Fragen und Anregung zur Diskussion dreht sich bei der digitalen Veranstaltung alles um den Themenkomplex „Wasser-Boden-Landwirtschaft“. Der Staatsekretär im Hessischen Umweltministerium, Oliver Conz, wird gemeinsam mit dem Kreisbeigeordneten Walter Astheimer das Fachforum eröffnen und in einem Grußwort eine erste Einordnung vornehmen. Mit welchen Strategien und Maßnahmen das Land Hessen derzeit intensiv an der Verbesserung der Wasserqualität arbeitet, erläutert im Anschluss Dr. Astrid Bischoff vom Hessischen Umweltministerium. Der Schutz des Trinkwassers ist auch ein Anliegen der regionalen Wasserversorger. Arnd Allendorf, der beim Wasserversorger Hessenwasser die Abteilung Ressourcenschutz leitet, zeigt die Bedeutung von Grundwasserschutz für die Bevölkerung auf. 

Mit diesen Grundlagen vorbereitet, wendet sich der zweite Teil dann direkt dem möglichen Beitrag des Ökolandbaus zum Grundwasserschutz in Südhessen zu. Von einer Win-Win-Situation, die sich zwischen Ökolandbau und Grundwasserschutz ergeben kann, wird Prof. Dr. Jürgen Heß berichten. Er ist Fachgebietsleiter für den Ökologischen Land- und Pflanzenbau an der Universität Kassel – Witzenhausen. Am Beispiel des Wasserguts Canitz bei Leipzig wird anschließend Dr. Bernhard Wagner grundwasserschonenden Bio-Anbau vorstellen. Er ist Betriebsleiter des 800 ha großen Bioland-Betriebs Wassergut Canitz GmbH, ein Tochterunternehmen der Leipziger Wasserwerke, und wie die anderen Referenten ein vielfach gefragter Experte. Den Bogen zurück zur Lage im Hessischen Ried mit seinen Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren spannt schließlich Dr. Harald Schaaf. Über Herausforderungen von grundwasserschonendem Anbau solcher Kulturen wird er als ehemaliger Fachgebietsleiter Erneuerbare Energien, Boden und Sekundärrohstoffe beim Landesbetrieb Hessisches Landeslabor berichten.

Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Robert Hermanowski, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für den Biologischen Landbau, kurz: FiBL Deutschland. Er wird auch den Austausch und die Diskussion im virtuellen Raum lenken - ein niederschwelliger Zugang über eine Videokonferenz ermöglicht allen Teilnehmern Kommentare und Fragen. Zudem soll die Veranstaltung aufgezeichnet werden.

„Es geht um die Vorbereitung aller Akteure auf die kommenden Herausforderungen, die nicht zuletzt durch den Klimawandel verschärft werden. Wer fundierte Information von Fachleuten sucht, wer mitgestalten und verbessern will und an Lösungen mitarbeiten möchte, für den ist das Fachforum Wasser-Boden-Landwirtschaft ein wichtiger Termin“, erläutert der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer als Gastgeber der digitalen Veranstaltung. 

Anmelden kann man sich bis Donnerstag, 12. November 2020, direkt beim Projektteam der Ökolandbau Modellregion. Die Geschäftsstelle hat ihrem Sitz beim Kreis Darmstadt-Dieburg und versendet gerne auf Wunsch das Programm und die Zugangsdaten. Anmeldung per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Was zu beachten ist, wenn man vom konventionellen zum Öko-Landbau wechselt

Bio-Lebensmittel liegen voll im Trend. Nicht nur auf den Wochenmärkten, auch im Supermarkt und in den Discountern sind sie immer häufiger anzufinden. Allein im letzten Jahr gaben die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher knapp 10% mehr für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Um dieses Wachstum bedienen zu können, braucht es jedoch genügend willige Landwirt*innen, die bereit sind, ihre Betriebe auf ökologischen Landbau umzustellen. 

Wie Thomas Schaffer, sein Geschäftspartner Normann Jaensch und ihre Familien auf dem Birkenhof, Klein-Zimmern den Umstellungsprozess gestaltet haben, ist in dem 5 minütigen Videobeitrag der Reihe „Schritte für mehr Bio – Umstellung auf Bio: ein Prozess“ der Ökolandbaumodellregion SÜD zu sehen. Dieser jüngste Filmbeitrag feiert am 19. Oktober im Vorprogramm des Dokumentarfilms „Unser Boden, unser Erbe“ im Programmkino Rex in der Darmstädter Innenstadt seine Premiere. 

Danach wird er, wie alle weiteren Filme der Videoreihe, auf dem Youtube Kanal der Ökomodellregion Süd zu sehen sein.  

Umstellung ist ein langer Prozess

Am Beispiel des Bio-Bauernhofs Birkenhof in Klein-Zimmern im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird der Umstellungsprozess auf einem bäuerlichen Familienbetrieb dargestellt. Schon länger beschäftigte sich Betriebsleiter Thomas Schaffer gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Normann Jaensch mit dem Gedanken an eine Umstellung. Viele Gespräche mit Berufskollegen, wie z. B. Felix von Löwenstein vom Hofgut Habitzheim und der Besuch von Praxisbetrieben, ließen langsam den Entschluss für eine Umstellung reifen. Schließlich entschieden sich die beiden GBR-Partner, unterstützt vom Naturland Fachberater Martin Trieschmann, dem damaligen Fachberater des Öko Teams des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), Heinz Gengenbach, und der zuständigen Stelle für die Förderung beim Landkreis Darmstadt-Dieburg für eine „schrittweise“ Umstellung. Das bedeutet, während der ersten etwa sechs Jahre existierten zwei Betriebe, der konventionelle und der neue Ökobetrieb. Jährlich kamen mehr Ökoflächen dazu bis hin zur kompletten Betriebsumstellung. 

Der Birkenhof hat sich zu einem breit aufgestellten „gemischten Betrieb“ entwickelt: mit Hühnerhaltung und dem Anbau verschiedener Feldfrüchte (Mais, Getreide) sowie speziellen Sonderkulturen wie Erdbeeren und Grünspargel sowie Direktvermarktung über den eigenen Hofladen, Wiederverkäufer und Großhandel.

Hintergrundinformationen: Umstellung auf Ökolandbau

Bio-Landwirt wird man nicht von heute auf morgen. Vor dem Beginn des Umstellungsprozesses braucht es viel Zeit, Mut und Kraft von Seiten der Landwirt*innen, die eigene Familie und zugleich auch die Mitarbeitenden vom ökologischen Landbau zu überzeugen. Erst danach fängt die eigentliche Arbeit an: mit Hilfe privater, staatlicher oder verbandszugehöriger Berater wird ein neues Konzept erarbeitet, auf dem der zwei- bis drei-jährige Umstellungsprozess aufbaut. Die Einhaltung der neuen Öko-Vorgaben wird sowohl während als auch nach der Umstellung durch externe Kontrollstellen sichergestellt.

Ökolandbau bedeutet nicht einfach, den mineralischen Dünger und die chemischen Spritzmittel wegzulassen, sondern eine vollständige Veränderung des Betriebs hin auf ein biologisches System. Sowohl persönliche Faktoren als auch die Abstimmung und Einigkeit in der Familie für dieses Ziel sind zu berücksichtigen. Dazu kommen wirtschaftliche Faktoren wie Personalkosten, Betriebsmittel und Vermarktungsoptionen. Das notwendige Know-how der ökologischen Anbauweise wie z.B. biologischer Pflanzenschutz, Unkrautregulierung und geeignete Sortenauswahl und Fruchtfolge werden mit Hilfe ausgebildeter Berater erworben. 

Interessierte Landwirte und Gärtner können sich beispielsweise an folgende Ansprechpartner wenden:

Umstellungsberatung Land Hessen: 
Sandra Höbel, Beratungsteam Ökologischer Landbau 
Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)
Telefon: 06155/7980023 

Ökoverbände in Hessen:
Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL) 
Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis und Gäa 
https://www.voel-hessen.de/ 

Bodenseminar der Ökomodellregion Süd rüstet Praktiker für die Zukunft

Hofgut Habitzheim, 24.09.2020. Neue Wege im Pflanzenbau – diese zu finden und zu beschreiten, wird nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels nötig. „Im Boden liegt der Schlüssel zur Steigerung der Düngeeffizienz und zur Stabilisierung der Erträge“, sagt Bodenexpertin Dr. Sonja Dreymann, die aus Kiel nach Habitzheim gekommen war. Einen Tag lang referierte sie auf dem Hofgut Habitzheim vor interessiertem Fachpublikum, erst in der Theorie und später auf dem Acker. 

Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte sie, wie sich Probleme im Bereich von Nährstoffverhältnissen, Humusaufbau und Düngung bemerkbar machen. Und sie wies Wege auf, wie man die Verhältnisse im Boden für eine langfristige Bodenfruchtbarkeit ausgleichen kann. Eine Überprüfung der Düngewirksamkeit kann ebenso dazu beitragen wie eine Begrünung durch Untersaaten und Zwischenfrüchte, die  die Bodenbiologie lebendig halten. Wie der Boden rund um das Hofgut Habitzheim beschaffen ist und welche Testmethoden es gibt, zeigte sie mit Hilfe von Bodenprofilen. Diese hatte Jens Graf, Betriebsleiter auf dem Hofgut Habitzheim, eigens für den Seminartag mit einem Bagger angefertigt. 

25 Praktiker, Landwirte, aber auch Beraterinnen wie etwa von der AGGL (Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft Region Starkenburg), waren gekommen, hatten zum Teil eigene Bodenproben mitgebracht. Als lehrreich und bereichernd, gerade im Hinblick auf ganz neue Methoden, Forschungsergebnisse und den Austausch untereinander, werteten die Teilnehmer den Seminartag. Besser gerüstet mit Knowhow für weitere Trockenjahre machte man sich am Ende auf den Weg. Eingeladen hatte das Projektteam der Ökolandbau Modellregion Süd. Weitere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltige Bodennutzung für Praktiker sind geplant.

Hintergrund: Dr. Sonja Dreymann absolvierte vor ihrem Studium der Agrarwissenschaften eine Ausbildung zur staatlich geprüften biologisch-technischen Assistentin. Nach ihrer Promotion am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel arbeitete sie mehrere Jahre in der Landmaschinen-Branche und in der Agrar-Umwelt-Beratung. Seit 2015 ist sie als selbständige Pflanzenbau-Beraterin tätig. Mehr unter: https://www.dreymann-agrar.de

 

Solidarische Landwirtschaft und Market Gardening im Porträt

In Zeiten immer länger werdender Lieferketten wünschen sich viele Verbraucher, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren. Die Konzepte Solidarische Landwirtschaft (abgekürzt: SoLaWi) und Market Gardening sind zwei Möglichkeiten, die eine enorm hohe Transparenz an den Tag legen und die Distanz zwischen den Orten des Anbaus und des Verbrauchs verringern wollen. Über die beiden Formen des Anbaus und der Vermarktung berichtet die Geschäftsstelle der Ökolandbau Modellregion Süd: „Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ist in Deutschland seit einigen Jahren im Aufwind.“  Auch in Südhessen haben sich bereits einige Strukturen gebildet.

Wie ist es möglich, angesichts des globalen Super-Marktes naturbelassene, frische Lebensmittel zu bekommen, ohne sie selbst anbauen zu müssen? Mit dieser Fragestellung haben sich immer mehr Verbraucher, aber auch Erzeuger auseinandergesetzt. Beim Konzept der SoLaWi bezieht ein fester Verbraucher-Kreis ganzjährig das Gemüse von diesem Betrieb. Im Gegensatz zur Gemüse-Abokiste tragen die Mitglieder einer SoLaWi das Ernteausfallrisiko der Landwirte mit. Die Mitglieder sind in der Regel sehr nah an der Produktion, von der Abstimmung über die anzubauenden Pflanzen bis hin zu Ernteeinsätzen. Hierdurch können auch spezielle Gemüsesorten angebaut werden, die es im Handel nicht gibt. „Dieses Mehr an Bewusstsein für die Produktion ist wichtig, damit auch etwaige Qualitätsschwankungen wie krummes Gemüse oder die witterungsbedingte schlechte Ernte einer Kultur von den Konsumenten mitgetragen werden. Für die Unternehmer ist es oft sehr erfüllend zu wissen, wo ihre Erzeugnisse hingehen. Außerdem haben sie mit diesen Systemen jegliche Zwischenhändler ausgeschaltet und vermarkten direkt.“

Das Ziel des Market Gardenings ist es, auf kleiner Fläche möglichst effizient, sprich möglichst viel Gemüse anzubauen. Der Begriff wurde von Jean-Martin Fortier und Eliot Coleman geprägt. Bereits im 18. Jahrhundert wurde in Frankreich auf diese Art für Städte wie Paris feinstes Gemüse angebaut. In Deutschland gibt es hier aktuell einen deutlichen Trend, der sich in zahlreichen Buchveröffentlichungen, Videos und praktischen Beispielen äußert.

Market Gardening setzt auf leichte und günstige, aber dennoch effektive Handtechnik. Durch diese Kombination kann bereits auf 500 bis 2000 Quadratmetern eine Existenz finanziert werden, was einen leichten Einstieg in professionelles Gärtnern ermöglicht. Market Gardening setzt auf viel Handarbeit, die den Boden möglichst wenig bearbeitet, sondern diesen mit Kompost und organischem Dünger anreichert. Dadurch entsteht auf relativ kleiner Fläche eine Großzahl verschiedener Obst- und Gemüsesorten. 

Ein Vorteil beider Strukturen ist, dass der lästige Plastikverpackungsmüll durch die Abholung des Gemüses in Kisten komplett entfällt.

„Auch in der Ökolandbau Modellregion Süd wird diese Art, Obst und Gemüse anzubauen, von verschiedenen Akteuren erfolgreich betrieben. Ein Beispiel ist der Gemüsegarten Hoxhohl von Vivian Glover im Modautal. Auf einer Fläche von 2200 Quadratmetern pflanzt sie 60 Gemüsekulturen für eine Solidarische Landwirtschaft mit etwa 90 Haushalten aus der Region an. Wie das funktioniert, erklärt sie im Video Solidarische Landwirtschaft & Market Gardening, das wir vom Projektteam in Hoxhohl gedreht haben“, schreibt das Team der Geschäftsstelle. 

Die Ökolandbau Modellregion Süd, insbesondere der Kreis Darmstadt-Dieburg, ist ein regelrechter Hotspot für diese speziellen kundennahen Kleinstrukturen. Weitere Beispiele hierfür sind die 2019 gegründete SoLaWi in Groß-Umstadt, die SoLaWi des Lindenhofes in Ober-Ramstadt sowie im Nebenerwerb Annette Däschner in Groß-Umstadt und Kirsten Kummetat-Rottstedt in Babenhausen. Alle SoLaWis und Market Gardening-Projekte in der Ökolandbau Modellregion Süd kann man hier finden.

Den Filmbeitrag „Solidarische Lanwirtschaft & Market Gardening“ der Video-Reihe „Schritte für mehr Bio“ gibt es am 21. September im Programmkino Rex in Darmstadt. Gezeigt wird er im Vorprogramm des Dokumentarfilms „Fair Traders“, der um 20.15 Uhr startet. Und natürlich exklusiv auf dieser Seite!

 

Weiterer Kurzfilm wurde im Rahmen des AlleWeltKinos Darmstadt uraufgeführt. 

Nach der erfolgreichen Premiere des Kurzfilms „Initiativen und Innovationen“, der in Zusammenarbeit der Ökolandbau Modellregion Süd mit dem Landwirt Alexander Kern aus Mossautal entstanden ist und am 6. September im Darmstädter Programmkino Rex uraufgeführt wurde, ging die Kurzfilmreihe „Schritte für mehr Bio“ in die zweite Runde. 

Der zweite Film trägt den Titel „Bio-Milch aus Südhessen“ und porträtiert die beiden Odenwälder Bio-Milchbauern Christian Zimmermann aus Oberzent und Gerd Arras aus Reichelsheim. Den beiden seit mehreren Jahren bio-zertifizierten Landwirten liegt das Wohl ihrer Tiere sehr am Herzen – sie haben daher keine Kosten und Mühen gescheut, um ihnen eine artgerechte Tierhaltung zu ermöglichen. 

Aufgrund der Futterzusammensetzung, die hauptsächlich aus Gras, Kräutern, Heu und Silage besteht, geben Milchkühe, die nach Bio-Richtlinien gehalten werden, bis zu 1/3 weniger Milch als ihre Artgenossinnen aus der konventionellen Landwirtschaft. Doch durch die immer trockeneren Frühjahre wird es zunehmend schwerer für die beiden Landwirte, genügend Futtererträge für ihre Milchkühe zu erwirtschaften. Daher sind sie immer mehr auf den Zukauf von Futter angewiesen. Der Verzicht auf Kraftfutter, wie z.B. Sojaschrot oder Getreide, ist jedoch maßgebend für die gute Qualität von Bio-Milch, insbesondere für die hohen Omega-3-Fettsäuren. 

Sowohl Zimmermann als auch Arras verkaufen ihre Milch an die Milchwerke Oberfranken West e.G., bieten sie interessierten Verbraucher*innen jedoch auch rund um die Uhr an sieben Tage der Woche an einem Milchautomaten auf ihren Höfen an. Dabei handelt es sich um unbehandelte Milch, d.h. Rohmilch. Des Weiteren bietet Gerd Arras vom Hardthof seit neustem verschiedene Käsevariationen an, die von der Kirchenkäserei Sindolsheim hergestellt werden und ins ausgewählten Läden der Region verkauft werden.

Im Rahmen des AlleWeltKinos des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt, das zurzeit unter dem Motto „Gutes Leben“ läuft, war das oben beschriebene Videoprojekt am 14. September im Vorprogramm des Hauptfilms „2040-Wir retten die Welt“ im Programmkino Rex in der Darmstädter Innenstadt zu sehen. Für alle, die an dem Termin nicht teilnehmen konnten, ist das Video auch auf dem Youtube Kanal der Ökolandbau Modellregion SÜD unter dem Titel „Schritte für mehr Bio: Bio-Milch aus Südhessen“ zu sehen.

Kurzfilme porträtieren Heldinnen und Pioniere des Ökolandbaus in der Region

Darmstadt, 03.09.2020

Was sind das für Menschen in unserer Region, die den Schritt gewagt haben und ihre Wirtschaftsweise auf Bio umgestellt haben? Die aller Arbeitsintensität, Dürrejahren und sonstigen Herausforderungen zum Trotz Formen des Landbaus und der Tierhaltung betreiben, die unsere natürlichen Ressourcen schonend behandeln. Die dafür sorgen, dass ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse für uns Verbraucher gesund, lecker und unbelastet sind.

„Wir möchten die Gesichter zu den Geschichten zeigen“, beschreibt Robert von Klitzing, einer der Projektmanager der Ökolandbau Modellregion Süd, das Vorhaben des Projektteams. Mit dem Video-Projekt „Schritte für mehr Bio“ sollen interessante Akteure des Ökolandbaus, die besonderen Herausforderungen, aber auch die vielen positiven Effekte auf Mensch und Umwelt einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. „Dass die Landwirtschaft vor einer notwendigen Transformation steht, ist mittlerweile großen Teilen der Bevölkerung klar, die Verbraucher spielen auch eine große Rolle in den notwendigen Veränderungen – Fridays For Future, Earth Overshoot Days sowie die zwei Trockenjahre 2018 und 2019 haben dafür gesorgt.“ Und doch: Die ökologische Wirtschaftsweise ist trotz eines stetig wachsenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung in Südhessen immer noch mit knapp 10 Prozent sehr stark unterrepräsentiert. „Die Bio-Betriebe der Ökolandbau Modellregion Süd können also ohne Übertreibung als absolute Pioniere und Local Heroes bezeichnet werden. Den Weg zu mehr biologischer Landwirtschaft möchten die Ökolandbau-Modellregionen Hessens ebnen und begleiten, damit es mehr werden, also zeigen wir Beispiele zum Nachahmen“, skizziert Projektmanagerin Alexandra Hilzinger das Vorhaben, das sich alle Hessischen Ökomodellregionen auf die Fahnen geschrieben haben.

Das südhessische Projekt „Schritte für mehr Bio“ zeigt anschaulich in einer Videoreihe, wie es gehen kann. Denn die zahlreichen Ansätze, einen ökologischen und nachhaltigen Landbau in der Region voranzubringen, sind so vielfältig wie die Region selbst. Es geht um Themen wie „Imkerei und Landwirtschaft“, „Bio-Milch aus Südhessen“, „Solidarische Landwirtschaft und Market Garden“, „Umstellung auf Bio – ein Prozess“. Insgesamt sind bisher drei Kurzfilme fertiggestellt, ein vierter gerade in Arbeit.  

Als Premiere läuft am 6. September um 16.30 Uhr im Programmkino Rex in Darmstadt im Vorprogramm des Films „Brot – das Wunder das wir täglich essen" der Beitrag „Initiativen und Innovationen“ der Ökolandbau Modellregion Süd. In dem achtminütigen Film wird der Hof am Mühlgrund in Mossautal vorgestellt. Dort hält Bio-Landwirt Alexander Kern Hühner der sogenannten Zweinutzungsrasse Coffee & Cream der Ökologischen Tierzucht gGmbH, einer gemeinnützige Initiative von Bioland und Demeter, die eine Revolution in der Hühnerzucht startet. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass mit jeder Legehenne auch ein Bruderhahn aufgezogen wird. Damit die Vermarktung der Zweinutzungsrassen funktioniert, hat sich Alexander Kern etwas Besonderes ausgedacht. Er bietet Hühner-Abos an. Kunden bekommen neben den Eiern auch den Bruderhahn und die Legehenne sobald diese reif für die Schlachtung sind. Mehr Informationen hier

Weitere Kurzfilme der Reihe „Schritte für mehr Bio“ werden wie folgt gezeigt:

  • 14. September „Bio-Milch aus Südhessen“
  • 21. September „Solidarische Landwirtschaft & Market Gardening“
  • 19. Oktober „Umstellung auf Bio – Wie geht das?“


Mehr Informationen zur Dokureihe „Gutes Leben“ des AlleWeltKinos und den Filmen im Vorprogramm finden Sie hier!

Darmstadt, 30.06.2020.

Nun ist es offiziell: Das Projekt Ökolandbau Modellregion Süd, das im Jahr 2019 an den Start gegangen ist, wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verlängert. Für alle bereits bestehenden Hessischen Ökomodellregionen ist eine Laufzeit von weiteren fünf Jahren ab Januar 2021 geplant.

Größte Ökomodellregion Hessens im Süden

Auch der Kreis Bergstraße ist künftig dabei: Der von allen Seiten gewünschte Beitritt zur bestehenden Modellregion wurde ebenfalls genehmigt. Somit wird das Projektgebiet der Ökolandbau Modellregion Süd ab 2021 einen beträchtlichen Teil Südhessens umfassen. Flächenmäßig und bezogen auf die Einwohnerzahl handelt es sich um die größte Ökomodellregion in ganz Hessen.
Bisher sind der Odenwaldkreis und der Landkreis Darmstadt-Dieburg Träger des geförderten Projekts, der Kreis Groß-Gerau und die Biostadt Darmstadt sind Partner der Ökomodellregion Süd. Die Geschäftsstelle der Ökolandbau Modellregion Süd hat ihr Büro in Kranichstein beim Landkreis Darmstadt-Dieburg eingerichtet. Dort koordiniert ein Team bestehend aus Alexandra Hilzinger, Angelika Jenke und Robert von Klitzing die Aufgaben.

Die drei wollen nun die bereits begonnene Arbeit fortführen und weitere Impulse für mehr Bio in Südhessen setzen. Viele Menschen aus der Region haben sich seit der Auftaktveranstaltung im März 2019 in sieben Projektgruppen und einem Fachbeirat in das Netzwerkprojekt eingebracht.

Nachfrage nach Bio-Produkten weiter im Aufwärtstrend

„Die Verlängerung ist wichtig für die Region, denn obwohl bisher viel Arbeit, Expertise und Herzblut in das Projekt geflossen ist, gibt es noch eine große Menge Zukunftsaufgaben für die Weiterentwicklung des Bio-Anbaus vor Ort. Wir freuen uns, dass wir noch weitere Jahre und jetzt gemeinsam mit dem Kreis Bergstraße an diesen Zielen arbeiten können“, betont das Projektteam. Die Hessische Landesregierung will den Anteil des Bio-Anbaus in Hessen bis 2025 auf 25% erhöhen. Und die Chancen, dies zu erreichen, stehen gut, denn die Nachfrage nach Bio-Produkten ist ungebrochen im Aufwärtstrend. Seit den Beschränkungen durch Corona und einem dadurch verändertem Konsumverhalten ist sie noch einmal deutlich angestiegen.

„Um diese Nachfrage aus unserer Region bedienen zu können, sind Aufbau und Ausbau der bio-spezifischen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen im Projektgebiet eine unserer zentralen Aufgaben. Hier arbeitet das Projektteam an Partnerschaften mit dem Lebensmitteleinzelhandel sowie mit Großküchen“, heißt es aus der Geschäftsstelle. Das Projekt Nose to Tail, bei dem Bio-Rinder aus dem Odenwald in den Mensen des Studierendenwerks Darmstadt vollverwertet als schmackhafte Bio-Gerichte auf den Tellern angerichtet werden sollen, wartet praktisch auf die Wiederaufnahme des Studienbetriebs. Dass die Corona-Pandemie die Arbeit in vielen Bereichen der Ökomodellregionen ausgebremst hat und fertige Projektplanungen erst einmal in die Schublade wanderten, macht die Verlängerung umso wichtiger. „Wenn wieder mehr Menschen in die Mensen gehen, kann es losgehen. Das Projekt ist vorbereitet und startklar, die notwendigen Akteure haben kurz vor dem Corona-Lockdown noch gemeinsam an einem Tisch alle Planungen abgeschlossen. Wir sind bereit.“

Kreislandwirte begrüßen Verlängerung

Darmstadt-Dieburgs Kreislandwirt Karlheinz Rück sagt zur Projektverlängerung: „Für mich ist der CO²-Fußabdruck des produzierten Lebensmittels entscheidend – egal, ob öko oder konventionell. Die Ökomodellregion ist wichtig, um dem Verbraucher die regionale Produktion näher zu bringen. Wenn die Wirtschaftlichkeit für die Betriebe stimmt, sind auch mehr Landwirte bereit, auf Öko umzustellen. Wir Landwirte produzieren das, was der Markt verlangt. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Akteuren bedanken, die sich seither und auch in Zukunft so engagiert hier eingebracht haben und noch einbringen werden, vor allem jetzt auch aus dem Kreis Bergstraße.“ Hans Trumpfheller, Kreislandwirt des Odenwaldkreises und Bio-Bauer seit 2008, bestätigt die Notwendigkeit verbesserter Vermarktungsstrukturen: „Die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und Bioprodukte aus dem Odenwald braucht Unterstützung. Der bio-zertifizierte Odenwald-Schlachthof in Brensbach ist ein Eckpfeiler der regionalen Fleischerzeugung und -vermarktung und muss gerade in einer Krise wie jetzt erhalten und gefördert werden.“ Dass der Zusammenschluss mit dem Kreis Bergstraße folgerichtig war, findet auch Kreislandwirt Werner Wald, der den Kreis Groß-Gerau vertritt. Er erhofft sich für seine Kolleginnen und Kollegen gute Absatzzahlen beim Bio-Anbau.

Vernetzungsprojekt für Kreise und Stadt Darmstadt wichtig

Beim Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Robert Ahrnt, sorgt die Nachricht aus dem Ministerium für Freude: „Die Verlängerung ist enorm wichtig, um einige der größeren Ziele wie etwa die Einführung einer Onlineseite „Plattform Bio“ erreichen zu können. Die Agrar- und Ernährungswende hin zu mehr Bio braucht weiter unsere Unterstützung und ist eine Aufgabe, die der gesamten Bevölkerung dient. Neben den Kernthemen wie beispielsweise Grundwasserschutz und dem Aufbau von bio-Regionalen Wertschöpfungsketten wird in diesem Projekt auch die interkommunale Zusammenarbeit der beteiligten Landkreise und der Stadt Darmstadt ständig verbessert.“
Der Kreisbeigeordnete Andreas Funken, Odenwaldkreis, sagt zur Verlängerung des Projekts: „Regionale Bioproduktvermarktung kann nur gelingen, wenn die unterschiedlichen Akteure gut vernetzt sind und die Bevölkerung gut mitgenommen wird. Die Verlängerung des Projekts und die Aufnahme der Bergstraße in die Modellregion sind daher sehr zu begrüßen und bieten neues Potential. Unser zertifizierter Bio-Schlachthof in Brensbach beispielsweise ist der einzige in der Modellregion, von dem aus Fleisch aus der Region für die Region kommt – und das bio-zertifiziert. Die Mitarbeiter, die dort arbeiten, kommen auch aus der Region. Wie man aktuell sieht, können das nicht viele bieten. Hinzu kommt, dass kilometerweiter Transport von Tieren zum Schlachten weder umweltfreundlich ist noch dem Tierwohl dient.“

Auch der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer (Kreis Groß-Gerau) sieht die Verlängerung als sehr wichtig für seinen Kreis an: “Ökolandbau ist Grundwasserschutz und das Hessische Ried versorgt große Teile der Region wie auch Darmstadt und Frankfurt mit sauberem Trinkwasser und unsere Bio-Bauern im Kreis Groß-Gerau brauchen unbelastetes Grundwasser für eine sichere Produktion. Gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels wird die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser eine große Herausforderung sein.“

Barbara Akdeniz, Stadträtin der Wissenschaftsstadt Darmstadt, freut sich ebenfalls über die Botschaft aus Wiesbaden. „Die Beteiligung am Projekt Ökolandbau-Modellregion Südhessen ist für die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine Herzenssache – sie ergänzt ideal unsere Bemühungen um Klimaschutz und entspricht unseren Zielen nach naturnahen, umweltverträglichen, nachhaltigen Wirtschaften. Umso mehr freuen wir uns, dass nun auch der Kreis Bergstraße diese Ziele tatkräftig unterstützen wird.“

Landrat Christian Engelhardt vom Kreis Bergstraße sagt zu den Zukunftsaufgaben seines Kreises im neuen Verbund der Ökolandbau Modellregion Süd: „Wir setzen im Rahmen des Projektes Ökolandbau Modellregion Süd unter anderem auf den Auf- und Ausbau von Vermarktungsstrukturen und die Förderung der Digitalisierung der Landwirtschaft. Die Digitalisierung kann der Landwirtschaft enorme Vorteile bringen, das Stichwort ist hier das ‚Precision Farming‘“, unterstreicht Landrat Christian Engelhardt. „So kann beispielsweise durch GPS-gesteuerte Technik der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln reduziert werden.“

Ökolandbau ist Antwort auf viele Umweltfragen

Überdurchschnittliche Temperaturen und lange Trockenphasen, auch in diesem Jahr wieder mit teils dramatischen Folgen, bringen Agrar- und Ökosysteme an ihre Grenzen. Nicht nur Landwirte, sondern inzwischen auch große Teile der Bevölkerung, sorgen sich zurecht. „Der Klimawandel ist da und es ist dringend notwendig, sich als Region darauf einzustellen und anzupassen“, verweist das Projektteam auf die aktuellen Herausforderungen. Antworten und Lösungen kann der Ökolandbau geben: CO²-arme Produktionsverfahren, kurze Transportwege, Humusaufbau, enkeltaugliche Anbauverfahren mit schonendem natürlichen Pflanzenschutz. Dafür setzt sich die Ökolandbau Modellregion Süd seit einem Jahr ein. Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren und Unterstützern geht es nun in eine neue Runde.

Videobeiträge entstehen während Corona-Lockdown

Wie der Ökolandbau in der südhessischen Modellregion funktionieren kann, wie die Biobauern arbeiten und was sie bewegt, das zeigt in Kürze die Fortsetzung eines Video-Projekts der Reihe „Schritte für mehr Bio“. Gesichter und Geschichten aus der Region, erzählt über das Medium Video, wurden während des Lockdowns recherchiert und unter strengsten Hygiene – und Abstandsregelungen auf Film gebannt.

Am 08.06.2020 hat das Team der Geschäftsstelle der Ökolandbau Modellregion Süd den 4. Newsletter verschickt.

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In dieser Zeit ohne Großveranstaltungen denken wir gerne zurück an das letzte Plenum der Öko-Modellregion SÜD mit rund 200 Teilnehmer*innen. „Umstellung auf Bio – kommt der Markt mit?“, so lautete der Vortrag unseres Gastredners Prof. Dr. Jan Niessen, der jetzt online ist. Landwirt Kai Schellhaas, von dem wir hier berichten, hat die Zeichen der Zeit erkannt und stellt seinen Betrieb derzeit auf Öko um…

Bio im Aufwind

Riedstadt-Crumstadt / Darmstadt, 03.06.2020. Tier-, Klima- und Umweltschutz sind unter den Eindrücken der Corona-Pandemie bei den Verbrauchern noch stärker in den Blickpunkt gerückt. Gleichzeitig legen aktuell fast 22 Prozent der Befragten höheren Wert auf Bio-Produkte als zuvor, so das Ergebnis einer Studie der Universität Göttingen (https://www.uni-goettingen.de/de/publikationen/11274.html).

Kai Schellhaas aus Riedstadt-Crumstadt hat die Zeichen der Zeit erkannt und befindet sich mit seinem 160 ha großen Betrieb seit 2019 in der Umstellung auf Öko. Eine durchaus herausfordernde Zeit, wie der 32 jährige Landwirt aus Erfahrung zu berichten weiß: „Die Vermarktung insbesondere in der Umstellungsphase stellt mich vor die größten Herausforderungen“.

Einfallsreichtum ist gefragt: Da Schellhaas und seine Freundin aufgrund der Corona-Situation noch eine große Fuhre Umstellungs-Weizen aus eigenem Anbau im Lager hatten, kamen sie auf folgende Idee: Sie haben sich eine eigene Mühle angeschafft, um ein Weizen-Vollkornmehl selbst zu produzieren und in ausgewählten Geschäften in den umliegenden Ortschaften zu vermarkten. Neben Weizen baut der Betrieb auch zahlreiche andere Kulturen wie z.B. Dinkel, Emmer, Zwiebeln und Haselnüsse an. Weitere Informationen unter: www.biolandhof-schellhaas.de

Der umweltschonende Bio-Anbau soll in Südhessen weiter ausgebaut werden. Eine Haupt-Voraussetzung dafür ist, dass auch die Abnahme am Markt gut funktioniert. Aktueller denn je kann daher der Vortrag „Umstellung auf Bio – kommt der Markt mit?“ zum Denken und Handeln anregen. Der Vortrag war ein Teil des Plenums der Ökolandbau Modellregion Süd in Darmstadt  und wurde von Prof. Dr. Jan Niessen von der Technischen Hochschule Nürnberg, Experte auf dem Gebiet der Bio-Vermarktung, gehalten. Das empfehlenswerte Video steht jetzt unter https://www.youtube.com/watch?v=J_cAsiEVpbg&t=19s für alle Interessierten bereit. Eine zusammenfassende schriftliche Dokumentation des Plenums zum Thema Bio-Vermarktung finden Sie unter https://www.oekomodellregionen-hessen.de/images/sued/aktuelles/2020/Dokumentation%20Plenum%20II%20am%2022.%20November%202019.pdf.


Zahlreiche Umweltprobleme sind menschengemacht und deren Ausmaß und Konsequenzen werden immer deutlicher sichtbar. Aus diesem Grund und als ein Baustein, betont Niessen, sei die Arbeit der Ökomodellregionen, den ökologischen Landbau auszubauen und weiterzuentwickeln, sehr wichtig. 

Es gibt eine große Vielfalt an möglichen Vermarktungsstrukturen und -wegen für biologisch erzeugte Lebensmittel. An Beispielen wie den aktuellen Erfolgen von Direktvermarktern bis hin zu Bio-Produkten im Discounter erläutert der Fachmann positive Marketing-Wege mit seinem breiten Insiderwissen. Dagegen sieht er auch die große Diskrepanz zwischen Einstellungen und dem tatsächlichen Kaufverhalten – „wir sind als Verbraucher alle ein bisschen gut und ein bisschen böse“, wie der Experte betont. Gleichzeitig wiederum kann die Umsetzung der guten Verbraucher-Vorsätze mit passendem Marketing unterstützt werden. 

Alles in allem ist Niessens Vortrag ein starker Impuls an alle, weiter an einem „Mehr Bio“ zu arbeiten und sich damit die Lebensgrundlagen nicht selbst weg zu „dumpen“.

Wenn wir mehr Bio zur Ernährung wollen, muss die gesicherte Abnahme der Erzeugnisse im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen. Dies zeigte sich im Laufe des Plenums immer wieder. Nur wenn der ganze Weg vom Erzeuger bis zu den Verbrauchern steht, kann der Ökolandbau in der Region nachhaltig gestärkt werden. Durch das Projekt Ökomodellregion werden die Vernetzung der Region mit der Stadt Darmstadt – denn hier leben die meisten Verbraucher/innen – ebenso wie die Verzahnung der Akteure/innen und Initiativen gestärkt. Dies betonte auch Umweltdezernentin Barbara Akdeniz, die Gastgeberin der Großveranstaltung im Herzen Darmstadts war und die die Wissenschaftsstadt als Projektpartnerin vertritt.

Zur Person Prof. Niessen

Prof. Dr. Jan Niessen gilt als einer der erfahrensten Experten auf dem Gebiet der Bio-Vermarktung. Er war von 2012 bis 2018 als Geschäftsleiter der Marketing-Abteilung des größten deutschen Bio-Anbauverbands Bioland in Mainz tätig, bevor er 2018 an die TH Nürnberg wechselte (https://www.th-nuernberg.de/person/niessen-jan/). Dort lehrt Niessen als Studiengangsleiter im Studiengang Betriebswirtschaft „Management in der Biobranche". Zudem forscht er zu den Themen Strategische Marktbearbeitung in der Biobranche, Marketing, Stakeholder-Verhalten und nachhaltigem Wirtschaften. Darüber hinaus engagiert Jan Niessen sich im Vorstand des Regionalfenster e.V. (www.regionalfenster.de).

26.03.2020. Erntehelfer-Ausfall in Zeiten der Krise: Der Austausch mit mehreren Akteuren/innen unserer Ökolandbau Modellregion Süd hat uns die Wichtigkeit und Aktualität dieses Themas bestätigt. Es fehlen zur Zeit zahlreiche Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer/innen in den landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben aufgrund der Grenzen-Schließungen und Einreisestopps.

Für unsere Betriebe erschwert dieser Zustand die Planbarkeit in der Produktion und die Ernte.

Die Plattform www.daslandhilft.de des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist diese Woche an den Start gegangen, um sich dieses Problems anzunehmen. Sie will helfen zu verhindern, dass tonnenweise regionales Obst und Gemüse ungeerntet bleiben, weil Erntehelfer/innen fehlen.

Wenn Sie als Erzeuger/in Hilfe brauchen oder wenn Sie helfen wollen, nutzen Sie diese Plattform und geben Sie diese Information gerne weiter. Aber vor allem: Bleiben Sie alle gesund!

Am 28.01.2020 hat das Team der Geschäftsstelle der Ökolandbau Modellregion Süd den 3. Newsletter verschickt.

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An drei Tagen war die Ökolandbau Modellregion SÜD auf der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen in Gernsheim mit einem Stand vertreten. Unterstützt wurde das Team der Geschäftsstelle dabei von Kolleginnen und Kollegen der Landwirtschaft und des Naturschutz aus allen vier Gebietskörperschaften im Projektgebiet. Eingerahmt durch zahlreiche Fachveranstaltungen,  Podiumsdiskussionen und ein reges Kommen und Gehen gab es viel Austausch und gute Gespräche an unserem Informationsstand.

Eine ganze Region arbeitet an der Bio-Vermarktung

Darmstadt, 22. November 2019. Unter das Motto Vermarktung im Bio-Segment hatte das Team der Geschäftsstelle der Ökomodellregion Süd den Nachmittag im Justus-Liebig-Haus gestellt. Ein drängendes, sehr zentrales Thema, denn nur, wenn es bei der Vermarktung stimmt, kann der Ökolandbau in der Region nachhaltig gestärkt werden. Die Vernetzung mit der Stadt Darmstadt als absatzstarkes Oberzentrum und eine Verzahnung der Akteure und Initiativen rund um die Stadt und die ganze Region sind daher besonders wichtig. Dies betonte auch Umweltdezernentin Barbara Akdeniz, die Gastgeberin der Großveranstaltung im Herzen Darmstadts war und die Stadt Darmstadt als Projektpartnerin vertritt.

Unter all diesen Aspekten hatte das Team der Geschäftsstelle geplant, strukturiert und die passenden Persönlichkeiten gerufen – und sie kamen! Eine ganze Reihe Fachleute und Marktexperten hatte das Team für den spannenden Nachmittag an Bord genommen, um das Thema voranzubringen. Dass es voran ging, dafür sorgten die 130 Teilnehmer der Veranstaltung. Nach einer Begrüßungs- und Eröffnungsphase, der Vorstellung der Projekte in der Ökomodellregion und einem Vortrag fanden sich die Teilnehmer in insgesamt sechs Workshops zur Vermarktung zusammen. Eingestimmt wurden sie alle durch einen Impulsvortrag von Professor Jan Niessen, der an der TH Nürnberg lehrt und Fachmann für Strategische Marktbearbeitung in der Biobranche ist.

Die Ergebnisse des Nachmittags, insbesondere die Essenzen aus den Workshops, werden nun den sieben aktiven Projektgruppen der Ökomodellregion Süd zugutekommen. Die gemeinsame Schnittmenge aller Gruppen ist in der Tat die Vermarktung, denn hiervon hängt Vieles ab.

Weitere Ziele, die das Projektteam mit der Durchführung eines zweiten Plenums innerhalb eines Jahres - nach Reichelsheim im März – verbunden hatte, sind ebenfalls erreicht worden: Die Vernetzung der Gruppen und Aktiven untereinander und die Schaffung neuer Verbindungen zu lokalen Initiativen. Dafür war im Foyer des Justus-Liebig-Hauses, eine Etage unter dem voll besetzen Plenarsaal, ein Markt der Möglichkeiten entstanden. Dort hatten sich zehn Initiativen und Marktteilnehmer von A wie Alnatura bis N wie Nearbuy, einer Initiative zur regionalen Vermarktung und Wertschöpfung, mit Ständen und Infomaterial präsentiert. Eine Pause im prallen Nachmittagsprogramm bei Kaffee und Kuchen aus einer regionalen Bio-Bäckerei bot hier gute Gelegenheiten für Austausch und Gespräche.

Nicht zuletzt war es den Organisatoren des 2. Plenums ein großes Anliegen, neben den rund 100 Aktiven in den Projektgruppen und Gremien auch neue Interessierte anzusprechen. Gekommen waren tatsächlich zwei Dutzend Personen, die zum ersten Mal eine Veranstaltung der Ökomodellregion besucht haben – und dies wieder tun wollen!

Die Dokumentation zu unserem 2. Plenum finden Sie hier:

Groß-Umstadt. 150 interessierte Menschen waren am Mittwochabend (13. November) in den Saal des Pfälzer Schlosses in Groß-Umstadt gekommen. „Biolandbau und Permakultur“ lautete der Titel des Info-Abends, zu dem das lokale Agenda-Büro unter Federführung von Reiner Michaelis eingeladen hatte. Bis auf den letzten Platz gefüllt waren die Stuhlreihen, das Interesse zur Freude aller Beteiligten groß.

Wie sich Gartenbauer und Landwirte auf eine naturverträgliche Wirtschaftsweise umgestellt haben, dass es ökologisch und wirtschaftlich geht und vor allem den „Nährboden“ erhält, der auch weiteren Generationen gesunde Lebensmittel beschert, waren die Kernthemen des Abends. Buchautor und Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft(BÖLW) Felix Prinz zu Löwenstein, dessen Familie das Hofgut Habitzheim ökologisch bewirtschaftet, schuf den Kontext mit einem mitreißenden Impuls. Warum eine naturbezogene Kreislaufwirtschaft wichtig ist und wie sie funktioniert, zeigten im Anschluss vier erfolgreiche Umstädter Betriebe und der Forstbeamte Burkhardt Klose aus Michelstadt, der seit 15 Jahren das Kommunal-/Privatwaldrevier Michelstadt betreut. Annette Däschner, Holger Schütz, Bernd Hax und für die Solidarische Landwirtschaft Christian Meier, allesamt lokale Akteure im Biolandbau, haben ihre Wirtschaftsweise umgestellt und zeigten auf, dass Geld verdienen nicht auf Kosten der Natur gehen muss. Alle vier arbeiten mit in der „Ökolandbau Modellregion Süd“.

Die sich anschließenden Fragen und Anregungen zeigten, dass die Zusammenhänge längst im Bewusstsein der Menschen angekommen sind. Die Beispiele von Betrieben und Institutionen in direkter Nähe motivieren umso mehr, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, die dem Klimawandel und dem Artensterben bewusst entgegentreten will. Mehr als ein Dutzend Menschen, die nun ein Projekt „Permakultur“ in Groß-Umstadt starten möchten, fanden sich am Ende des Abends.

Ein farbiges Glücksrad, das ständig in Bewegung war, ein stimmig gestalteter Stand mit Infotafeln, Postern, Karten und dazu herrliches Wetter. Besser hätte der Rahmen für den ersten Informationsstand der Ökolandbau Modellregion Süd auf dem 30. Odenwälder Bauernmarkt in Erbach nicht sein können.

Initiiert hatte den Stand die Projektgruppe Erzeugung und Verbrauch im Dialog, eine von sieben Projektgruppen, die im Januar 2019 ihre Arbeit in der Ökomodellregion aufgenommen haben. Und so waren es auch die Ehrenamtlichen aus dieser Gruppe, die – unterstützt durch das Team der Geschäftsstelle der Ökomodellregion – an drei Markttagen Frage und Antwort zum Projekt standen.
Zuvor war der Stand in wochenlanger Arbeit konzipiert worden, wurden Ideen entwickelt, wie man die Verbraucher anspricht und als Multiplikator für das Projekt und den Ökolandbau im Allgemeinen auftreten kann. Die Vorteile von Ökolandbau und ökologisch erzeugten Bio-Produkten aus der Region begreifbar machen, das Projekt bekannt machen, Interesse wecken: Das waren nur einige der Ziele der Gruppe.

Kinder sind eine wichtige Zielgruppe

„Wir wollten mit diesem Stand einen ersten Versuch wagen, auf regionale Märkte zu gehen und Verbraucher anzusprechen“, sagt Jürgen Helebrant, Sprecher der Gruppe, selbst Bioland-Imker und Landwirt. Der Versuch ist gelungen, darüber herrschte Einigkeit bei den zwölf Engagierten, die ihr Wochenende und ihre Freizeit gegen Standdienst eingetauscht hatten. Auch das Feedback der Besucher bestätigte diese Art von Verbraucher-Dialog. Durch die farbige Gestaltung und das bunte Glücksrad waren es oft auch Kinder, auf die der Stand starke Anziehung ausübte. „Kinder sind ohnehin eine wichtige Zielgruppe für unsere Aufklärungsarbeit“, freut sich Helebrant, der im Rahmen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung an einer Schule tätig ist. Umwelt und ökologische Landwirtschaft sind für ihn wichtige Schwerpunktthemen.

Darauf will die Projektgruppe künftig verstärkt eingehen, ebenso auf Möglichkeiten, Gesichter und Geschichten rund um den Ökolandbau in der Region sichtbar, erlebbar und begreifbar zu machen: Hofporträts und Kostproben der aktiven Erzeuger in der Modellregion! Was in Erbach nicht möglich war, soll künftig Bestandteil des Informationsstandes sein. „Man kann nur begreifen, was man sehen, fühlen und auch schmecken kann.“

Das Interesse an Bio ist da

Hier besteht noch Handlungsbedarf: Bis auf zwei Ausnahmen führte der überregional bekannte Markt keine Bio-Produkte im Angebot. Auch diese Beobachtung der Marktbesucher konnte sich die Gruppe gleich mit mehrfacher Nennung auf ihre Feedbacktafel kleben. „Den Leuten hat das Bio-Angebot offenbar gefehlt“, lautete das Fazit der Gruppe.

Auch wenn es beim Glücksrad für die richtigen Antworten zu Bio-Themen keine essbaren Gewinne geben durfte, so wurde doch fleißig gedreht. Mit erstaunlicher Sicherheit und Fachkenntnis beantworteten Marktbesucher Fragen zum Ökolandbau, etwa zum Einsatz von Düngung oder zur Haltung von Tieren. „Wir haben auch ein Stimmungsbild mitgenommen“, fasst Helebrant zusammen. „Das Interesse an Ökolandbau ist da, die Lust auf Bio ist geweckt, die Menschen wollen mitmachen, die stehen hinter der Sache“.

Ober-Ramstadt, September 2019. Imkerei und Landwirtschaft: Landwirt Phillip Lautz aus Ober-Ramstadt und sein Kollege, Bioland-Imker Jürgen Helebrant aus Reinheim, zeigen, wie es geht. Beide sind sich sicher: „Kommunikation und respektvoller Umgang sind entscheidend für eine gute Zusammenarbeit“. So finden sie Lösungen, indem beispielsweise Pflanzenschutzanwendungen vor der Blüte biologisch und Bioland-konform erfolgen. Auf diese Weise wird eine Kooperation zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio-Imkerei ermöglicht. Körnerfenchel ist eine spezielle Kultur, die durch die Ernte der Körner nach der Blüte während der Blütezeit einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leistet.
Beide Akteure profitieren von dieser Partnerschaft. Die Fenchelblüte wird durch die Bienen um ein Vielfaches häufiger bestäubt. Der Fenchel-Ertrag ist höher.
Das Futterangebot für Bienen und weitere Insekten steht zur Verfügung und der resultierende Honig ist von besonderer Qualität.

Die Geschäftsstelle der Ökomodellregion hat das Filmprojekt in die Hand genommen, um die Region und ihre ehrenamtlichen Akteure sichtbar und erlebbar zu machen. Weitere Beiträge sind geplant.

 
 
 

Griesheim, 12.09.2019. Praxiserfahrungen, Innovationen und Herausforderungen der nachhaltigen Bodennutzung, darum ging es beim Wissensaustausch, zu dem zwei Projektgruppen der Ökomodellregion SÜD Mitte September eingeladen haben und deren Vorträge nun als Videos zu sehen sind:

Prof. Andreas Gattinger: „Humusaufbau – durch innovative pflanzenbauliche Maßnahmen“


Dr. Ulrich Hampl – Bodenfruchtbarkeit auf Ökobetrieben - auch ohne Tiere?


Der Umgang mit der Ressource Boden ist ein zentraler Betrachtungspunkt einer jeden landwirtschaftlichen Produktion. Mit der Expertise von Prof. Dr. Andreas Gattinger, Bio-Landwirt und Leiter der Professur für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung an der Universität Gießen, startete der Vormittag.

Der Referent informierte über die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft zum Thema Humusaufbau, auch im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Humusaufbau ist nicht zuletzt auch als Strategie zur Anpassung an klimatische Veränderungen wie zunehmende Wetterextreme wie Dürre und Starkregen von Bedeutung. Der Experte gab den rund 40 Zuhörern unter anderem eine Einschätzung der Maßnahmen wie Gründüngung, angepasste Bodenbearbeitung und Agroforstsysteme.

Zudem präsentierte er Ergebnisse, nach denen ein Zertifikate-Handel für Humusaufbau z.B. durch Umstellung auf Ökolandbau oder systematischer Anbau von Zwischenfrüchten aktuell nicht empfehlenswert ist. Hauptgrund hierfür: Die zeitlich begrenzten C-Speicherungsraten, der Aufwand des Landwirts und die hohen Kosten für die notwendigen bodenkundlichen Laboruntersuchungen stehen bisher in keinem Verhältnis zu dem aktuellen Preis für eine Tonne CO2.

Die Voraussetzungen für Humusbildung und Grundwasserschutz sind ansonsten im Ökolandbau sehr gut.

Dr. Ulrich Hampl berichtete zum einen von seiner Arbeit für den Bodenfruchtbarkeitsfonds der Bio Stiftung Schweiz, der eine seiner Aufgaben darin sieht, die Landwirte beim Erhalt der Bodenfruchtbarkeit zu unterstützen, finanziell, fachlich und im Erfahrungsaustausch untereinander.
Außerdem werden hier durch Öffentlichkeitsarbeit Menschen aus verschiedenen Richtungen der Gesellschaft für das Thema Boden sensibilisiert.
Zum anderen erläuterte der Referent seine Erfahrungen bei der Durchführung der Europäischen Innovationspartnerschaft „Bravö“ in Baden-Württemberg, die sich damit beschäftigt, wie die Bodenfruchtbarkeit auch losgelöst von Tierhaltung nachhaltig erhalten bleiben kann.

„Der Boden geht uns alle an“ lautet ein Fazit der Veranstaltung und diese Botschaft wird nun auch weiter in breitere Felder der Gesellschaft getragen. Denn die Böden in einem guten Zustand zu erhalten ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und der Ökolandbau kann mit Unterstützung der Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten.

In einer gemeinsamen Diskussion mit Referenten und Teilnehmern der Veranstaltung wurden am Nachmittag Chancen und Risiken benannt, aber auch neue Projektideen und Wege für die Ökolandbau-Modellregion SÜD aufgezeigt.

Organisiert hatte den Wissensaustausch das Team der Geschäftsstelle der Ökomodellregion Süd. Der LLH Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen war Mitveranstalter und stellte im Bildungs- und Beratungszentrum, Griesheim seine Räume zur Verfügung. Gekommen waren rund 40 Interessierte, darunter Landwirte/innen, Kompostwerkbetreiber/innen, Wissenschaftler/innen und Berater/innen, auch Aktive aus der Ökomodellregion SÜD sowie aus der Wetterau.

Die beiden Projektgruppen Umstellungspilotbetriebe sowie Grundwasser und Landwirtschaft sind Teil der Ökolandbau Modellregion Süd, eines durch das Land Hessen seit Januar 2019 geförderten Projekts. Mehr Informationen gibt es unter www.oekomodellregionen-hessen.de/region/sued.

Am 16.08.2019 hat das Team der Geschäftsstelle der Ökolandbau Modellregion Süd den 2. Newsletter verschickt.

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Drei Vorträge, eine Feldführung und summendes Treiben in Ober-Ramstadt

Ober-Ramstadt, 24. Juli 2019. Spannende Einblicke gab es am 24. Juli bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung, zu der die Projektgruppe „Stammtisch Ökolandbau“ der Ökolandbau Modellregion Süd eingeladen hatte. Vom Treffpunkt Landgasthof Lichtenbergschänke aus, in dem die Projektgruppe zuvor getagt hatte, ging es am Nachmittag mit rund 30 Besucherinnen und Besuchern hinaus auf den Fenchelacker von Landwirt Philipp Lautz aus Ober-Ramstadt, der seit einigen Jahren mit der Imkerei kooperiert. Imker Jürgen Helebrant lässt seinen Honig von 25 Bienenvölkern am Rande von Lautz` Fenchelacker nach Bioland-Richtlinien erzeugen. Beide Partner zogen mit ihren Vorträgen über die Kooperation die Besucher in ihren Bann. Für Helebrant ist „Kommunikation auf Augenhöhe, mit Respekt vor den jeweiligen Interessen der Beteiligten“ der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Und dass diese Zusammenarbeit funktioniert, zeigt das Beispiel in Ober-Ramstadt eindrucksvoll. Durch die kostenlose Bestäubungsleistung der Bienen steigt der Ertrag beim Fenchel und das Ökosystem bleibt intakt. „Als Landwirte gestalten wir unsere Kulturlandschaft und können einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität leisten“, sagt Landwirt Lautz. 

Von der Landschaftspflegebehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg war Rotraud Haußmann als dritte Referentin nach Ober-Ramstadt gekommen. Sie berichtete über das Agrarumwelt- und Biodiversitätskonzept (AUBI), das eine Verbesserung der Biodiversität/Artenvielfalt, vorwiegend in den ackerbaulich genutzten Bereichen zum Ziel hat. Haußmann untermauerte die Bedeutung der Zusammenarbeit von Helebrant und Lautz: Hand in Hand für die Artenvielfalt gehen beide Akteure in Ober-Ramstadt einen zukunftsweisenden Weg.

 

Nach der Auftaktveranstaltung der Ökolandbau-Modellregion Süd, die am Freitag, 29. März, in Reichelsheim stattfand, steht nun auch die Zusammensetzung des Fachbeirats fest, der die Projektgruppen bei der Umsetzung von Projekten in fachlichen und praktischen Fragen berät. Zur Hälfte besteht das Gremium aus den Gruppensprecherinnen und -sprechern. Die restlichen Mitglieder wurden in Reichelsheim gewählt; die Stimmen sind heute ausgezählt worden. Der Fachbeirat ist auch Ansprechpartner für die Geschäftsstelle der Modellregion.
Die gewählten Mitglieder des Fachbeirats sind:

1. Grundwasser
Frank Baresch (Hessenwasser GmbH) und als Stellvertreter Dr. Thomas Rehahn (Ingenieurbüro für Umweltplanung und Beratung).

2. Grünlandwirtschaft & Tierhaltung
Christian Zimmermann (Landwirt, Biobetrieb mit Milchvieh und Hühnerhaltung) und als Stellvertreterin Marie Benninghoven (Landwirtin).

3. Vermarktung & Verarbeitung
Lazaro Campuzano (Vertriebsleiter Demeter Felderzeugnisse) und als Stellvertreter Gerd Arras (Landwirt, Biobetrieb mit Milchvieh und Hühnerhaltung, Direktvermarktung)

4. Tourismus & Gastronomie
Heike Jakobs (Landkreis Darmstadt-Dieburg Bereich Tourismus, Geschäftsstelle „Frisch und Lecker im Landkreis der Genießer“) und als Stellvertreter Armin Treusch (Gastronom und Dehoga Hessen, Kreisverband Odenwaldkreis)

5. Ackerbau & Sonderkulturen
Thomas Schaffer (Landwirt, Biobetrieb mit Ackerbau und Sonderkulturen) und als Stellvertreter Dr. Willi Billau (Erster Vorsitzender Regionalbauernverband Starkenburg)

6. Umweltbildung     
Johannes Rehmann (Landwirtschaftspädagoge, Lernort Bauernhof Darmstadt) und als Stellvertreter Jürgen Helebrant (Bioland-Imker)

7. Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit  
Eva Heldmann (Gemeindepädagogin an einer Schule, und Vorsitzende des Kreistagsausschusses für Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Umwelt und Naturschutz, Odenwaldkreis) und als Stellvertreter Stefan Weber, Pressesprecher beim Landkreis Darmstadt-Dieburg

8. Ökolandbau   
Martin Trieschmann (Naturland Fachberatung und Stellvertretender Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen) und als Stellvertreter Alexander Kern (Junglandwirt, Biobetrieb)

9. Finanzierung & Förderung   
Elsbeth Kniß (ehem. Leiterin der Hauptabteilung Ländlicher Raum, Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Reichelsheim, in Ruhestand) und als Stellvertreter Peter Zimmer (Fachbereichsleiter Ländlicher Raum, Veterinärwesen, Verbraucherschutz beim Landkreis Darmstadt-Dieburg)