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Rund 20 Teilnehmer*innen waren gekommen zum zweiten Bodenseminar der Ökomodell-Region Süd, diesmal auf das Demeter Hofgut Oberfeld in Darmstadt. Eingeladen hatte das Projektteam gemeinsam mit der Projektgruppe „Grundwasser und Landwirtschaft“, die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Hofgut statt. Die renommierte Agrarwissenschaftlerin und Bodenexpertin Dr. Andrea Beste führte durch das Seminar. Sie vermittelte die von ihr entwickelte Methode der „Qualitativen Gefügebonitur“ des Bodens zunächst theoretisch, um sie später ganz praktisch im Feld durchzuführen und mit den Teilnehmer*innen zu üben.  

Darmstadt, den 16.09.2021. Den Anfang machte eine Bestandsaufnahme. Und die fiel dramatisch aus: „Wir verlieren so viel Boden in Europa allein durch Bodenerosion, als würden wir jedes Jahr auf der Fläche Berlins einen Meter Boden einfach absenken“, mahnt Andrea Beste. Um Böden weiter produktionsfähig zu halten, müsse etwas getan werden. „Wir brauchen den Schutz der biologischen Vielfalt – auch im Boden! Lebendige Böden haben eine deutlich bessere Bodenstruktur. Ökoflächen nehmen daher durchschnittlich doppeln so viel Wasser auf und speichern es um ein vielfaches besser als konventionell bearbeitete Flächen. Ist der Boden verdichtet, läuft das Wasser ab ohne zu versickern, erzeugt Erosion und der Boden landet am Ende im Meer, wo er für immer verloren ist.“ Auch für Hochwasserschutz spiele die Beschaffenheit des Bodens eine große Rolle, daher müssen die Maßnahmenplanungen gegen Hochwasserereignisse die umliegenden Acker- und Grünlandflächen deutlich mit in den Fokus nehmen.

Bodenzustand selbst erkennen
Doch wie macht man den Boden gut? Voraussetzung für eine grundsätzliche Verbesserung des Bodens sei, seinen Zustand zunächst einmal überhaupt selbst zu erkennen. Erst dann werden Notwendigkeiten sichtbar und man kann Maßnahmen in der Bewirtschaftung vornehmen. Bei der qualitativen Gefügebonitur nach Beste handelt es sich um eine Methode, die alle Landwirt*innen vornehmen könnten. Beste betonte, dass es sich um eine Ergänzung zu den Bodenproben handele, die man ans Labor sendet. Aus der Bonitur vor Ort sollen Landwirt*innen eigenständig Schlüsse ziehen und Bodenentwicklungen über längere Zeiträume bewerten können.

Alternative Anbausysteme liefern Lösungen
Zur Vorbereitung darauf fand am Vormittag ein Vortrag über den neuesten Stand des Wissens im Bereich Boden statt. Beste betonte, dass die biologische Aktivität des Bodens die Grundlage für jegliche langfristige Produktionsfähigkeit darstelle. Zur Förderung und Erhaltung sei der Ökologische Landbau am besten geeignet, auch die regenerative Landwirtschaft leiste einen Beitrag. Vielversprechende Lösungsstrategien wie beispielsweise Agroforst-Systeme, Maßnahmen des ökologischen Landbaus und Permakultur wurden aufgezeigt. Alle Teilnehmenden, egal ob Öko oder Konventionell, zeigten großes Interesse an den aufgezeigten Möglichkeiten für eine nachhaltigere Bewirtschaftung. Und doch: Eine Umstellung eines komplexen, gewachsenen Betriebs auf Ökolandbau ist nichts, was schnell geht „Es braucht Zeit und Geld, um die Wirtschaftsweise umzustellen“, äußert Beste Verständnis.  

Forschung hinkt hinterher
Beim Thema Düngen ist sie unnachgiebig. „Mineraldünger ist was von gestern!“ Mineraldünger geht am Bodenleben vorbei, beeinträchtigt die wichtigen Mykorrhizapilze, macht Pflanzen anfälliger, enthält oft Cadmium, verschlechtert den Bodenstrukturaufbau und ist Haupttreiber von Lachgasemissionen. Weitaus verträglicher sind Gründüngung, Kompost und Festmist. Bundesweit würden aktuell lediglich zwei Prozent der Agrar-Forschungsgelder in die Erforschung und Erprobung agrarökologischer Methoden und Anbaupraktiken fließen. Und das, obwohl der aktuelle Stand der Forschung und Praxis bereits das enorme Potenzial im Bereich Klimaanpassung, Flächenproduktivität, Grundwassererhaltung und Artenvielfalt herausgestellt habe. 

Am Nachmittag ging es dann raus auf die Felder des Hofgut Oberfelds, in denen die Gruppe Spatenproben aushob und analysierte, um die oben erwähnte Methode zu lernen. Eine Besonderheit ist, dass es sich um eine boden- und horizontspezifische Bonitur handelt. Die Optik des Bodens ist nämlich je nach Bodenart ( z.B. sand- oder tonhaltig) und Bodentiefe sehr unterschiedlich. Die Teilnehmer*innen waren fleißig in der Arbeit mit der Methode und nahmen einige neue Erkenntnisse mit in ihren Betriebsalltag. 

Der Praxis-Stammtisch lädt jeden ersten Mittwoch im Monat zu Besichtigungen auf landwirtschaftlichen oder verarbeitenden Betrieben ein. Egal ob ihr euch für Gemüse-, Obstbau, Ackerbau, Viehhaltung oder gar Verarbeitung und Gastronomie interessiert, wir versuchen alle Themen durch unterschiedliche Besichtigungen abzudecken. Ziel des Praxis-Stammtischs ist es, neue Eindrücke in Betriebsstrukturen und Arbeitsweisen zu ermöglichen und den Austausch unter Praktiker*innen zu fördern.

Es laden euch Höfe aus Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg, dem Odenwaldkreis, der Bergstraße und der Wissenschaftsstadt Darmstadt zum Kennenlernen ein.

Wer Interesse am Mitmachen hat, kann sich per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) auf unsere Verteilerliste setzen lassen. 


Erste Betriebsbesichtigung des Praxis-Stammtischs

Unsere erste Hofbesichtigung startete am 1.September bei Hebermehl Agrar in Riedstadt. Es trafen sich 19 Interessierte, die sich sowohl auf dem Feld, als auch bei einem Umtrunk nach der Feldbegehung über den Anbau der breiten Produktpalette von Herrn Hebermehl und über das Cut & Carry System der Gründüngung austauschten. Zudem wurde über Herausforderungen des biologischen Anbaus in einer intensiven Anbauregion und bei der Aufbereitung von Kompost, sowie über die neue Düngerverordnung diskutiert. Besonderes Interesse weckte der Trockenreisanbau und der Schnittknoblauch, dessen Blüten mit großer Begeisterung auf dem Feld verspeist wurden. 

Geplante Termine des Praxis-Stammtisch:Die nächste Betriebsbesichtigung soll am 6.10.21 auf dem Hof am Mühlgrund in Mossautal stattfinden. Nähere Informationen findet ihr in Kürze im ÖMR-Veranstaltungskalender unter der Region Süd, auf suedhessen-isst-bio.de oder per Mail.

Am 28. August 2021 nutzte die Ökomodell-Region Süd die Gelegenheit, sich in Darmstadt mit einem Stand zu präsentieren. Im Rahmen der 5. Bio-Regio-Fairen Sommermesse waren gut 30 Stände auf dem Hofgut Oberfeld aufgebaut, zahlreiche Besucher*innen – sowohl Verbraucher*innen als auch Fachpublikum – zeigten großes Interesse. Damit konnte das Team der Geschäftsstelle der ÖMR Süd viele informative Gespräche führen. 

Ein Magnet war wie immer das Glücksrad mit den dazu gehörenden Fragen rund um die sieben Leuchtturmprojekte der Region. In lockerer Atmosphäre gelang es damit, Menschen über den Bio-Landbau zu informieren. Große Aufmerksamkeit erregten auch die Programmhefte der Hessischen BioTage und die Flyer zur regionalen Vernetzungswebsite „Südhessen-isst-Bio“. Das Fachpublikum interessierte sich für die Arbeit der ÖMR im Allgemeinen und die Möglichkeiten der Mitarbeit in den Projetgruppen. Aber auch zusätzliches Fachwissen war gefragt, das beispielsweise in den von der ÖMR Süd organisierten Informationsveranstaltungen angeboten wird. Ebenfalls der Kontaktaufnahme und Vernetzung des Projekts dienten Gespräche, die das Projektteam an anderen Ständen der Sommermesse führten.

Insgesamt hat die Teilnahme an der Bio-Regio-Fairen Sommermesse die Erwartungen vollständig erfüllt. Die ÖMR-Süd konnte die Umwelt- und Ernährungsbildung fördern, neue Menschen für das Projekt interessieren, neue Kontakte knüpfen und die Vernetzung ausbauen.

Am 8. Juni 2021 haben wir in einem kurzen digitalen Informationsabend über unser Projekt Ökomodell-Region Süd informiert. Wir haben erklärt, wie unser Projekt funktioniert, was die Projektgruppen machen und wie man sich in dieses Modellprojekt einbringen kann. Über 50 Menschen haben an der kurzen Abendveranstaltung teilgenommen. Einigen hat sicher das Gewitter, das über unsere Region gezogen ist, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Für alle Interessierten, die nicht teilnehmen konnten, haben wir hier die Präsentation noch mal zum Download bereit gestellt.

Wir müssen Probleme lösen, bevor sie anderen Generationen überlassen bleiben. Die Ökomodell-Region Süd, zu der seit diesem Jahr auch der Kreis Bergstraße gehört, liefert mit suedhessen-isst-bio.de einen Ansatz, wie das gelingen kann. 

Den Ökolandbau zu stärken und Vermarktungswege für regionale Lebensmittel zu erschließen, ist ein Kernziel der Ökomodell-Region Süd. Neben Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Odenwaldkreis gehört ihr seit Jahresbeginn auch der Kreis Bergstraße an. In einem feierlichen Auftakt, der live aus Bürstadt übertragen wurde, betonte Landwirtschafts- und Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in einem Grußwort den Stellenwert der Ökomodell-Regionen und Hessens Vorreiterrolle auf dem Weg zu mehr ökologischer Landwirtschaft.

„Südhessen is(s)t bio“

Hierbei gehe es nicht darum, einfach alles auf „bio“ umzustellen, betont Biolandwirt und Keynote Speaker Felix Prinz zu Löwenstein. Vielmehr bedürfe es eines grundsätzlichen Umdenkens. Digitale Angebote wie die neu gelaunchte Website suedhessen-isst-bio.de sind ein wichtiger Baustein auf diesen Weg. Sie helfen, möglichst viele Akteur*innen zu erreichen, zu vernetzen und auf diesem Weg mitzunehmen. 

In Kooperation mit Studierenden der Uni Darmstadt entstand der digitale Marktplatz als erstes gemeinsames Projekt der Ökomodell-Region Süd. Die Plattform ermöglicht den unmittelbaren Austausch zwischen Erzeuger*innen, Verarbeiter*innen und Vermarkter*innen. Endverbraucher*innen bietet sie Veranstaltungshinweise und Informationen rund um die Themen Ökolandbau und Bioprodukte.

Bio  nichts für Glücksritter

Warum das Thema Ökolandbau so wichtig ist, liegt nicht nur am ökologischen Mehrwert. Sie birgt auch enorme Chancen für Betriebe sowie für die Regionalentwicklung. Der Aufbau von Bio-Wertschöpfungsketten schafft Resilienzen gegenüber großen Märkten, wirkt der Verödung von ländlichen Gebieten entgegen und trägt dazu bei, dass Menschen ihrer Arbeit mit Freude, Wertschätzung und einem auskömmlichen Einkommen weiterhin nachgehen können. 

Ein Gros der Landwirt*innen steht einer Umstellung aufgeschlossen gegenüber, sofern Auskommen und Betriebsnachfolge nicht gefährdet sind, bekräftigt auch Kreislandwirt Sebastian Glaser (Bergstraße). Jedoch sei Bio nichts für Glücksritter. Denn eine Umstellung braucht Geduld und Ausdauer. Das nötige Know-how aufzubauen, sieht Löwenstein auch als Aufgabe der Universitäten, an denen inzwischen die Hälfte aller Betriebsleiter ausgebildet werden. 

Viel unausgeschöpftes Potenzial im Bereich Vermarktung

Dass zunehmend mehr Konsument*innen bereit sind, ihr Einkaufsverhalten zu ändern zeigt sich am Wachstum des Ökomarkts. Im letzten Jahr waren es 20 Prozent. Dabei, so Löwenstein, der als promovierter Agrarwissenschaftler selbst vor vielen Jahren seinen Betrieb auf Bio umgestellt hat, seien viele Potenziale noch gar nicht voll ausgeschöpft. Die Außer-Haus- oder Gemeinschaftsverpflegung ist so ein Beispiel.

Launch der Webseite „Südhessen-is(s)t-bio.de“ / Auftakt-Veranstaltung der Ökomodell-Region Südhessen am 04. Mai in Bürstadt / Kreis Bergstraße neuer Teil der Ökomodell-Region Süd

Kreis Bergstraße (kb). Wie sieht der Weg von Bio-Lebensmitteln von der Erzeugung bis in das Zuhause der Konsumentinnen und Konsumenten aus? Und welche Bedeutung haben Ökolandbau und Bioprodukte für Nachhaltigkeit und Umweltschutz? Diesen Fragen geht die Ökomodell-Region Süd (kurz: ÖMR Süd) bei ihrer Auftaktveranstaltung am 4. Mai 2021 nach. Diese wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation als Hybridveranstaltung stattfinden: Ausgewählte Gäste werden dazu in Bürstadt versammelt sein, alle weiteren Teilnehmenden können digital teilnehmen. Außerdem wird bei diesem Anlass gleichzeitig der Beitritt des Kreises Bergstraße zur ÖMR Süd sowie der Start der neuen Vernetzungswebseite „Südhessen-is(s)t-bio.de“ gefeiert. Alle Interessierten können am Dienstag, 4. Mai 2021, von 13 bis 14.30 Uhr den digitalen Livestream aus dem Bürgerhaus Bürstadt auf YouTube unter https://youtu.be/aJTuM1F5WYs oder auf Facebook unter https://www.facebook.com/OekomodellregionSued verfolgen.

Den Schwerpunkt dieser Veranstaltung wird der Vortrag „Wo Landwirtschaft und Gesellschaft gemeinsam Zukunft gestalten: Die Ökomodell-Region als Katalysator für ein nachhaltiges Ernährungssystem“ von Dr. Felix zu Löwenstein bilden. Der renommierte Agrarwissenschaftler, Bio-Landwirt und Fürsprecher des Ökolandbaus zeigt dabei auf, welche Schritte notwendig sind, um die Vorteile des Biolandbaus für Umwelt und Mensch in vielen Bereichen wie Klimaschutz, Artenvielfalt, Grundwasserschutz und gesunder Ernährung auszuschöpfen. Was brauchen Landwirt*innen, Verarbeiter*innen und Verbraucher*innen? Wie muss und wird sich das Denken und Handeln auf allen Seiten verändern? Und welche Bedeutung haben die neuen digitalen Errungenschaften der ÖMR Süd mit der Vernetzungswebsite „Südhessen-is(s)t-bio“ und den Social Media Kanälen in diesem Prozess?

Eines der wichtigsten Themen auf dem Weg des Ökolandbaus heißt ganz sicher Vernetzung. Daher freut sich die Geschäftsstelle der ÖMR Süd auf ein Grußwort der hessischen Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Priska Hinz. Zudem wird der Landrat des Kreises Bergstraße, Christian Engelhardt, die Vergrößerung der ÖMR Süd um den Landkreis Bergstraße und um zwei neue Projektmanagerinnen gebührend feiern, mit allen neuen Möglichkeiten, die dies bietet. „Der Kreis Bergstraße hat viele tolle regionale Produkte zu bieten, etwa Wein, Spargel, Erdbeeren sowie viele weitere Obst- und Gemüsesorten. Es ist uns ein Anliegen, Nachhaltigkeit auch im Hinblick auf die Landwirtschaft im Kreis zu stärken. Unser Beitritt zur Ökomodell-Region Süd ist dafür ein wichtiger unterstützender Schritt“, betont Engelhardt. „Durch unseren Beitritt und den Beitritt des Odenwaldkreises zur Ökomodell-Region Süd, ist nun ganz Hessen Ökomodell-Region – ein echter Grund zum Feiern!“

Im Rahmen der Veranstaltung wird die Webseite www.suedhessen-isst-bio.de ans Netz gehen. Dabei werden bis zum Sommer noch weitere Funktionen und viele Kontakte ergänzt. Das Konzept und die redaktionellen Inhalte haben Journalismus-Studierende der Hochschule Darmstadt mitgestaltet. Sie werden deshalb auch diejenigen sein, die das Ergebnis offiziell ins Netz bringen. Interessierte finden auf dieser Webseite Informationen rund um die Themen Ökolandbau und Bioprodukte – von der Erzeugung bis zur Vermarktung. Ein digitaler Marktplatz in Form einer interaktiven Karte erfasst die regionalen Angebote und bringt beispielsweise Nutzer*innen aus Gastronomie und Erzeugung zusammen. Die Plattform tritt aber auch mit Verbraucher*innen direkt in Kontakt und informiert sie rund um Bio-Produkte und Nachhaltigkeit. Zudem finden Medien und Öffentlichkeit Informationen rund um die Anliegen der Region auf dieser Webseite.

Das Team der Geschäftsstelle freut sich bereits jetzt, neue Akteure*innen in die Arbeit der Ökomodellregion Süd einzubinden. Zu diesem Zweck findet am 8. Juni 2021 eine Informationsveranstaltung rund um die sieben Projektgruppen und den Fachbeirat statt. In diesem Rahmen wird auch ein neuer Fachbeirat gewählt, der die vergrößerte Region widerspiegelt. Interessierte, die den Weg der Ökomodellregion Süd gerne aktiv unterstützen und mitgestalten wollen, finden schon vorab Informationen auf der Website der Ökomodellregion Süd unter https://www.oekomodellregionen-hessen.de/region/sued/projekte

Hintergrund:

Die Ökomodell-Regionen sind Teil des hessischen Ökoaktionsplans. Sie vernetzen Landwirt*innen, Handel und Verbraucher*innen und engagieren sich in Zusammenarbeit mit regionalen Erzeuger*innen und Verarbeiter*innen für eine bessere Vermarktung von biologischen und regionalen Produkten sowie die Schärfung des Bewusstseins für biologische und regional erzeugte Lebensmittel beim Verbraucher. Ziel ist es, die bio-regionale Wertschöpfungsketten zu etablieren und die Vermarktung der Bio-Produkte aus der Region zu fördern. 

Klimaschutz durch Bäume in der Landwirtschaft / ÖMR Süd startet Reihe zu Agroforstsystemen / Fortsetzung am 24. März 

Riesige Felder, auf denen sich der Weizen wiegt, Raps gelb leuchtet oder das Grün von Kartoffeln oder Spargel aus dem Boden ragt: Diesen Anblick sind wir gewohnt. Aber „es ist Zeit, hier umzudenken, nicht nur wegen des Klimawandels“, betont Christoph Meixner vom Beratungsunternehmen für regenerative Landnutzungskonzepte Triebwerk. Denn der Landwirtschaft fehlen die Bäume und Sträucher für die Böden, aber auch der gesamten Umwelt zum Arten- und Klimaschutz. Doch wie helfen Bäume, das Klima zu regulieren und die Bodenqualität zu verbessern? Und wie können wir so eine tiefgreifende Änderung in der Landwirtschaft umsetzen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich  bereits im Februar rund 45 Interessierte beim ersten Vortrag zu Agroforstsystemen unter dem Titel „Klimaanpassung Jetzt! Chancen und Hemmnisse der Agroforstwirtschaft in Südhessen“ aus der Veranstaltungsreihe „Nachhaltige Bodennutzung“ der Ökomodellregion SÜD (ÖMR SÜD).

Am 24. März ab 19:00 Uhr geht es weiter: Alle Interessierten sind eingeladen, sich mit der „Tierhaltung unter Bäumen“ auseinanderzusetzen und sich hierfür im Vorfeld unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anzumelden.

Im letzten Jahrhundert sind in vielen Regionen Europas bis zu 80 Prozent der Bäume aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche entfernt worden. Die Folgen sind inzwischen deutlich spürbar, sowohl was die Qualität der Böden angeht als auch in der Artenvielfalt. Zahlreiche Vogel- und Insektenarten verschwinden aus unserer Umwelt. Zudem fehlen die Bäume im heißer werdenden Klima als Regulationspartner, der nicht nur Schatten wirft und Wasser für die umliegenden Pflanzen erreichbar macht. Bäume und Sträucher halten den wertvollen Humus – als Windbrecher aber auch bei starkem Regen, erläutert Referent Christoph Meixner. 

„Die regelmäßig durchgeführte Waldschadenserhebung bestätigt schon seit Jahrzehnten den katastrophalen Gesundheitszustand der Wälder in Südhessen – Hauptgrund hierfür ist der Raubbau am Grundwasser und die weitere Ausweisung von Flächen für Versiegelung im Zuge von Wohnungs- und Gewerbebau“, betont Teilnehmerin Christine Straub die Dringlichkeit des Themas für unsere Region. Umso unverständlicher findet es die auf die Veredlung und den Anbau von Walnusssorten spezialisierte Dipl.- Forstwirtin aus dem hessischen Ried, dass die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen im Ried auch laut Regionalplan Südhessen 2020 weiter gehen soll. 

Moderne Agroforstsysteme, also eine Form der Landwirtschaft, die Bäume und Sträucher wieder bewusst integriert, stellen vor allem Baumarten in den Mittelpunkt, die dem Landwirt einen Zusatznutzen bieten wie beispielsweise Obstbäumen, Wertholzsorten und Energieholz. Allgemein bekannt sind wohl vor allem Streuobstwiesen als historischer Vertreter. In modernen Agroforstsystemen sieht man vor allem Reihenpflanzungen, dazwischen liegen Ackerbauflächen beispielsweise mit Getreide oder Kartoffeln. Solche modernen Agroforstsysteme werden international seit einigen Jahrzehnten gut erforscht. Zudem gibt es bereits seit 2007 die Möglichkeit, Pflanzungen aus EU-Mitteln zu fördern. In Deutschland kommt diese Förderung aber erst jetzt langsam in die Gänge. Auch Praktikerin Straub sieht aus der eigenen Praxis heraus in der Agroforstwirtschaft einen vielversprechenden Weg, für die Zukunft der Region.

Im laufenden Jahr 2021 widmet sich die Ökomodell-Region Süd im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nachhaltige Bodennutzung“ auch weiterhin vor allem dem Thema Agroforstsysteme. Am 24. März von 19 bis 21 Uhr ist der nächste Termin der Veranstaltungsreihe, diesmal speziell zum Thema „Tierhaltung unter Bäumen“ geplant. Interessierte können sich gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. „Bei der aktuellen Entwicklung des Klimawandels und dem massiven Rückgang der Artenvielfalt bleiben uns noch rund fünf bis zehn Jahre Zeit, um die geeigneten Systeme in der Landwirtschaft zu etablieren. Eine Chance, die wir dringend ergreifen sollten“, betont Robert von Klitzing stellvertretend für das Projektteam der Ökomodell-Region Süd die Notwendigkeit, den Prozess jetzt einzuleiten. 

Darmstadt, Reichelsheim, Heppenheim, 11.02.2021.

„Ökomodell-Region Süd“ – hinter diesem Projekttitel verbirgt sich eine Fläche von der Mainspitze bis zum Neckar, vom Ried bis zur Burg Breuberg. Die Region Süd, eine der größten Modellregionen im Ökomodelland Hessen, wurde bereits 2019 vom Hessischen Umweltministerium anerkannt. Jetzt, 2021 hat sich dem Gebiet um Darmstadt-Dieburg, dem Odenwaldkreis, der Stadt Darmstadt und dem Kreis Groß-Gerau noch der Kreis Bergstraße angeschlossen. Zwei Jahre hat das bis dato eingesetzte Projektteam aus drei Köpfen bereits Arbeit und Ideen in das Projekt gesteckt. Sieben Projektgruppen haben dem Konstrukt ein Profil gegeben und viele Menschen aus der gesamten Region haben an der Ökomodellregion mitgearbeitet. Allen voran sind es aber die Landwirte und Erzeuger, die schließlich dafür sorgen, dass bio-regionale Lebensmittel auf die Teller der Menschen rund um Darmstadt und Umgebung kommen.

 

Trio erhält Verstärkung

Mit der Vergrößerung der Region und einer Erhöhung von Fördermitteln für die Arbeit rund um den Ökolandbau und die Produktion von Bio-Lebensmitteln konnten zwei weitere Projektmanagerinnen angestellt werden. Jetzt sind alle fünf an Bord. Mit Alexandra Hilzinger, Angelika Jenke und Robert von Klitzing ist die Ökomodell-Region Süd am Standort des Kreishauses in Darmstadt-Kranichstein gestartet. Alle drei sind teilzeitbeschäftigt für zwei volle Stellen im Einsatz. An zwei Außenstellen, nämlich im Odenwaldkreis und im Kreis Bergstraße, arbeiten die neuen Kolleginnen: Sylvia Barrero-Stadler koordiniert das Projekt von Reichelsheim, Alisa Barth von Heppenheim aus.

 

Alexandra HilzingerAlexandra Hilzinger, Jahrgang 1974, kam 2019 mit gastronomischem und kaufmännischem Hintergrund ins Team. Aufgrund ihrer Berufserfahrung leitete sie zunächst das Sekretariat der Geschäftsstelle. Mit ihrer Verwaltungserfahrung in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit konnte die Diplom-Kauffrau das Projekt in der Außendarstellung voranbringen. Sie hat Tourismuswirtschaft studiert und will mit der von ihr betreuten Verbraucher-Plattform Südhessen-is(s)t-bio.de ab Sommer auch den touristischen Reiz der Region in den Fokus stellen.

  

 

Angelika JenkeAngelika Jenke, Jahrgang 1971, arbeitet seit August 2019 im Team, zunächst als Projektassistentin. Seit Januar ist sie im Projektmanagement für die Koordinierungsarbeiten verantwortlich. Sie ist ausgebildete Lehrerin und Journalistin mit zehn Jahren Berufserfahrung und konnte bereits in der Pressearbeit des Projekts viele Initiativen auf den Weg bringen. Zukünftig will sie sich im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienbildung verstärkt einsetzen und damit die Verbraucher-Zielgruppe der Ökomodell-Region auf die Jüngsten und deren Familien erweitern. 

  

 

Robert von KlitzingRobert von Klitzing, Jahrgang 1986, studierte Gartenbau an der Hochschule Geisenheim und hat seine Abschlussarbeit im Themenfeld „landwirtschaftliche und gartenbauliche Biodiversitätsberatung“ absolviert. Danach war er Vertriebsmitarbeiter bei Agrimed Hessen w.V., einer Erzeugergenossenschaft für Arznei- und Gewürzpflanzen. Im Rahmen diverser Praktika hat er schon im Vorfeld Erfahrungen in Betrieben mit ökologischer Erzeugung gesammelt. Seit Januar 2019 ist er Projektmanager in der Ökomodell-Region und treibt mit seiner fachlichen Expertise viele Projekte wie Seminare und Feldtage für Praktiker an. 

 

 

Sylvia Barrero StadlerSylvia Barrero-Stadler, Jahrgang 1993, arbeitet seit Anfang Januar als Projektmanagerin für den Odenwaldkreis in Reichelsheim. Ihr Bachelorstudium hat sie im Umweltmanagement mit zahlreichen Modulen im Agrarbereich abgeschlossen. Nach der Thesis über den ökologischen Landbau folgte ihr Master in der Agrar- und Ressourcenökonomie. Projektmanagementerfahrung hat sie bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit gesammelt. Sie wird ihren Fokus auf die Vermarktung von tierischen Erzeugnissen aus der Region legen. 

 

 

Alisa BarthAlisa Barth, Jahrgang 1990, arbeitet seit Januar im Kreis Bergstraße in Heppenheim mit. Sie hat Agrarökologie mit dem Schwerpunkt ökologischer Landbau in Rostock studiert und nach ihrem Studium etwa fünf Jahre als Gemüsegärtnerin auf einem Biolandhof in der Vorderpfalz gearbeitet. 2018 hat sie ein Studium der Gartenbauwissenschaften in Geisenheim begonnen und erfolgreich mit einem Master abgeschlossen. Sie wird das Team vor allem mit ihren Gartenbaukenntnissen gut ergänzen.

 

 

Ziel der „Ökomodellregion Süd“ ist die Ausweitung der ökologischen Erzeugung, die Etablierung von Verarbeitungs- und Vermarktungsketten sowie die Sensibilisierung der Verbraucher für gesunde und regionale Lebensmittel. 

 

Das Projektteam hatte zum Start 2019 alle sieben Leuchtturmprojekte zum Laufen gebracht. Eine Bewegung ehrenamtlicher Akteure unterstützt in den Projektgruppen, im Fachbeirat und weiteren Gremien. Das Pandemie-Jahr hat Großveranstaltungen, Projektgruppentreffen und andere Vororttermine nur digital möglich gemacht. Persönliche Treffen und Vernetzung vor Ort wurden ersetzt durch Maßnahmen und Projekte, die das Team zum Großteil selbst auf den Weg gebracht hat: So hat es beispielsweise Bodenseminare auf dem Acker angeboten, wurde in Gemeinschaft mit Studierenden der Hochschule Darmstadt eine eigene Internetplattform konzipiert sowie das Bio-Weiderind-Projekt für ganz Hessen erarbeitet. Möglich war auch der Dreh mehrerer Videofilme, die in der Reihe „Schritte für mehr Bio“ auch auf Youtube gezeigt werden und Heldinnen und Pioniere des Ökolandbaus porträtieren. Zudem hat die Ökomodell-Region den Kreis Groß-Gerau bei seinem Vorhaben unterstützt, den Bioanteil in der öffentlichen Essensversorgung deutlich zu erhöhen und damit zum Pilotkreis in der kommunalen Bio-Verpflegung zu werden. Und einmal – in einer kurzen Verschnaufpause zwischen den Lockdowns - durfte auch der Messestand des Projektteams zum Erzeuger-Verbraucher-Dialog auf Reise gehen und Station im Odenwald machen. 

 

Save the date: 4. Mai

Wie es in diesem Jahr mit großen Veranstaltungen weitergeht, wird die Entwicklung zeigen. Bereits jetzt ist das nächste wichtige Event fest im Kalender markiert – ob vor Ort oder digital: Die Ökomodell-Region feiert den Beitritt des Kreises Bergstraße mit einer Auftaktveranstaltung in Bürstadt und zwar am Dienstag, 4. Mai 2021. Los geht es voraussichtlich am Mittag, drei Stunden Zeit sind eingeplant. Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz hat ihr Kommen bereits zugesagt

Darmstadt, 18.12.2020. Für das regionale Projekt Ökomodell-Region Süd gibt es im kommenden Jahr eine neue, eigene Internet-Plattform. Am Konzept und den redaktionellen Inhalten arbeiten derzeit Journalismus-Studierende der Hochschule Darmstadt. Zum Ende des Wintersemesters, im Frühjahr 2021, soll die Plattform als Grundgerüst stehen. Technisch umgesetzt werden soll sie bis zum Sommer 2021. 

Dann dreht sich auf der Plattform www.suedhessen-isst-bio.de alles um den Ökolandbau in der Region und den Austausch und die Vernetzung aller Akteure. Interessierte finden Informationen zum Thema – von der Erzeugung bis zur Vermarktung. Ein digitaler Marktplatz erfasst Angebote und Gesuche und bringt Nutzer beispielsweise aus Gastronomie und Erzeugung zusammen. Mit den Verbrauchern direkt in Kontakt zu treten, aber auch die Medien zu informieren und das Anliegen der Ökomodell-Region so in die Öffentlichkeit zu tragen, sind Ziele des Projekts. Außerdem soll ein Wegweiser in Form einer interaktiven Karte entstehen, in dem von Einkaufsmöglichkeiten bis zum Urlaub auf dem Bio-Bauernhof alles rund ums Thema und die Region zu finden ist.

Erste Pläne schon 2018

Lange schon stand der Wunsch nach einer „Plattform Bio“ auf der Agenda der zahlreichen südhessischen Akteure. Im Rahmen eines Workshops im Jahr 2018 und einer Auftaktveranstaltung wurden die Ideen und Anforderungen an eine Plattform entwickelt und konkretisiert. Damals – 200 Interessierte und Bio-Akteure aus Südhessen waren 2019 zusammengekommen – gründete sich als eine von sieben ehrenamtlich arbeitenden Projektgruppen auch eine kleine Projektgruppe „Plattform Bio“. Diese hatte Mitte 2019 den Faden aus den Ideenworkshops aufgenommen und weitergeführt. Bis schließlich die Idee geboren wurde, die Gestaltung und inhaltliche Umsetzung in die Hände von jungen Leuten zu geben. 

Die Hochschule Darmstadt mit einer solchen Kompetenz im Online-Journalismus war schnell als ideale Partnerin ausgemacht. Bei Prof. Torsten Schäfer, der die Lehre und die Arbeit mit den Studierenden betreut, stieß die Projektgruppe auf Begeisterung. Gemeinsam mit dem Team der Geschäftsstelle der Ökomodell-Region, Alexandra Hilzinger, Angelika Jenke und Robert von Klitzing, wurde der Weg geebnet, wurden Absprachen getroffen und der Beginn des Kurses schließlich auf das Wintersemester 2020 festgelegt. 

„Wir sind sehr begeistert von der Zusammenarbeit“

„Wir sind sehr begeistert von der Zusammenarbeit“, sagt Irene Jost-Göckel als Sprecherin der Projektgruppe. „Es ist ein Projekt aus der Region für die Region, das jetzt noch von der Wissenschaft in der Region so stark unterstützt wird. Regionales Bio wird befördert durch die Kreativität und die Überzeugung von jungen Menschen – das finden wir prima.“ Die Gruppe übergab nun im Entstehungsprozess den Staffelstab sinnbildlich an die Studierendengruppe. Die organisatorischen Aufgaben übernimmt nun die Geschäftsstelle der Ökomodell-Region mit Sitz im Kranichstein.

Wie engagiert und ideenreich die Studierenden ihren Semesterauftrag umsetzen, davon kann man sich im Blog https://gruener-journalismus.de/oj-studierende-konzipieren-website-fuer-suedhessen/ überzeugen. Und auch auf den Social Media-Kanälen wie Instagram kann man der Gruppe folgen. Hier sieht man das eigens entwickelte Logo für die neue Website und es werden regelmäßig – zwischen anderen Beiträgen zu Umwelt und Nachhaltigkeit – Themen rund um die neue Webseite gepostet.

In der Region bleibt auch die technische Umsetzung der Seite www.suedhessen-isst-bio.de. Die Agentur Lichtenberg hat den Zuschlag für die Programmierung erhalten. Sie hat ihr Büro in Darmstadt, das neben Darmstadt-Dieburg und dem Odenwaldkreis sowie dem Kreis Groß-Gerau und – neu ab 2021 – dem Kreis Bergstraße zum Verbund der großen Ökomodell-Region Süd gehört. Dem Anspruch der hessischen Ökomodell-Regionen „Aus der Region, für die Region“ folgt somit nun auch das Projekt Plattform Bio in all seinen Entstehungsphasen.

 

Am 17.12.2020 hat das Team der Geschäftsstelle der Ökomodell-Region Süd den 5. Newsletter verschickt.

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Projektteam veranstaltet Video-Fachforum

Frankfurt / Groß-Gerau, 16.11.2020. „Wasser-Boden-Landwirtschaft“ – das Spannungsfeld, das in vielen Regionen Sorgen bereitet, war Motto des ersten digitalen Fachforums der Ökomodell-Region Süd. Am 16. November 2020 war der Nachmittag mit vier Stunden Expertise, Austausch und Ausblick gefüllt. Und das alles über den Äther. Vor Ort hatten sich lediglich das Dreierteam der Geschäftsstelle (siehe Foto) und zwei Menschen des FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) eingefunden. Einer davon war Dr. Robert Hermanowski, der das Fachforum moderierte.

Die Veranstaltung war ursprünglich als großes Plenum für alle Akteure und Interessierten in der Kreisverwaltung Groß-Gerau geplant. Der Ort war schon lange klar, war doch nach Darmstadt-Dieburg (Workshop 2018), dem Odenwaldkreis (Auftakt 2019), der Stadt Darmstadt (Plenum 2020) nun der Partnerkreis der Ökomodell-Region als Austragungsort an der Reihe. 

Und nun, bei Groß-Gerau, da ist man unweigerlich beim Thema Wasser: Das Hessische Ried mit seinen Sonderkulturen leidet unter zahlreichen Wechselwirkungen in Bezug auf das Grundwasser - neben der Industriebelastung im Grundwasserkörper ist es auch ein zu hoher Nitratwert, der für Probleme sorgt. Dass dies so ist, belegte zunächst Dr. Astrid Bischoff vom Hessischen Umweltministerium mit ihrem Vortrag. Dem schloss sich Arnd Allendorf an, der für Hessenwasser, dem größten Trinkwasserlieferanten in der Region, sprach. In Wiesbaden habe man längst die Notwendigkeit zum Handeln erkannt: Demnächst wird ein ganzes Paket an Maßnahmen für den Grundwasserschutz in Südhessen vorgestellt.

„Wir haben ein Problem, aber es gibt auch Lösungen“, benannte Robert Hermanowski den zweiten Abschnitt des Fachforums. „Welchen Beitrag kann der Ökolandbau leisten?“ – dieser Fragestellung widmeten sich gleich zwei Experten. Prof. Jürgen Heß von der Uni Kassel Witzenhausen sprach von einer Win-Win-Situation zwischen Ökolandbau und Grundwasserschutz. Wie das in der Praxis aussieht, stellte Dr. Bernhard Wagner vom Wassergut Canitz dar. Hier haben die Stadtwerke Leipzig als Trinkwasserlieferant und damit hunderttausende Menschen in der Leipziger Region einen deutlich messbaren Vorteil durch den Ökolandbau. Ein Best-Practice-Beispiel sozusagen.

Den Abschluss des informativen Nachmittags bildete Dr. Harald Schaaf, der als ehemaliger Wissenschaftler beim HLNUG (Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) über die Herausforderungen im grundwasserschonenden Anbau von Sonderkulturen sprach. Passend zum Ried und passend zum Thema, aber auch übertragbar auf andere Regionen. Einen regen Austausch gab es rund um die Fachvorträge und auch im anschließenden Ausblick wurde diskutiert. Entweder direkt über die Kameras und Mikrofone oder im Chat – da gibt es digital viele Möglichkeiten. Für Alexandra Hilzinger, Angelika Jenke und Robert von Klitzing, das Team der Geschäftsstelle der Ökomodell-Region Süd, war es eine Premiere. Während sie sonst bei den Präsenzveranstaltungen zum Teil schon 200 Menschen begrüßen konnten, waren es jetzt – trotz Distanz –  mit über 100 Interessierten immer noch überraschend viele, die sich für den Nachmittag in die Konferenz einwählten. Die Interessierten und Fachleute im Forum verteilten sich übers ganze Bundesgebiet, sogar ein Teilnehmer aus Luxemburg war zugeschaltet. Ein solches Format erneut anzubieten, gerade in diesen unsicheren Zeiten, dafür sprechen laut Geschäftsstelle die zahlreichen guten Rückmeldungen. 

Viele Aufgaben gilt es nun anzugehen. Ein zentraler Punkt wird es sein, Landnutzungen, die die Ressource Grundwasser in Südhessen möglichst wenig belasten, geeignet zu fördern. Dies sehen auch die Akteure von Verbänden, Ministerien und Organisationen, die dabei waren, ebenso die Politik. Und die braucht es auch, wenn Ziele erreicht werden sollen. Walter Astheimer, Erster Kreisbeigeordneter in Groß-Gerau, will die nötigen Schritte mitgehen. „Wenn im Projektzeitraum nicht nur messbare, sondern ganz deutliche Erfolge im Hinblick auf die Grundwassergüte und die Verfügbarkeit erzielt werden, dann ist das vielleicht auch ein kleiner Verdienst der Ökomodell-Region. Selbst dort, wo die Ökomodell-Region vielleicht keine Betriebsumstellungen auf Bio erreicht hat, hat sie zumindest das Bewusstsein geschärft. Vielleicht hat sie den einen oder anderen konventionellen Betrieb zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Wasser bewogen. Das wäre doch schon ein großer Schritt.“

Was zu beachten ist, wenn man vom konventionellen zum Öko-Landbau wechselt

Bio-Lebensmittel liegen voll im Trend. Nicht nur auf den Wochenmärkten, auch im Supermarkt und in den Discountern sind sie immer häufiger anzufinden. Allein im letzten Jahr gaben die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher knapp 10% mehr für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus. Um dieses Wachstum bedienen zu können, braucht es jedoch genügend willige Landwirt*innen, die bereit sind, ihre Betriebe auf ökologischen Landbau umzustellen. 

Wie Thomas Schaffer, sein Geschäftspartner Normann Jaensch und ihre Familien auf dem Birkenhof, Klein-Zimmern den Umstellungsprozess gestaltet haben, ist in dem 5 minütigen Videobeitrag der Reihe „Schritte für mehr Bio – Umstellung auf Bio: ein Prozess“ der Ökomodell-Region SÜD zu sehen. Dieser jüngste Filmbeitrag feiert am 19. Oktober im Vorprogramm des Dokumentarfilms „Unser Boden, unser Erbe“ im Programmkino Rex in der Darmstädter Innenstadt seine Premiere. 

Danach wird er, wie alle weiteren Filme der Videoreihe, auf dem Youtube Kanal der Ökomodell-Region Süd zu sehen sein.  

Umstellung ist ein langer Prozess

Am Beispiel des Bio-Bauernhofs Birkenhof in Klein-Zimmern im Landkreis Darmstadt-Dieburg wird der Umstellungsprozess auf einem bäuerlichen Familienbetrieb dargestellt. Schon länger beschäftigte sich Betriebsleiter Thomas Schaffer gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Normann Jaensch mit dem Gedanken an eine Umstellung. Viele Gespräche mit Berufskollegen, wie z. B. Felix von Löwenstein vom Hofgut Habitzheim und der Besuch von Praxisbetrieben, ließen langsam den Entschluss für eine Umstellung reifen. Schließlich entschieden sich die beiden GBR-Partner, unterstützt vom Naturland Fachberater Martin Trieschmann, dem damaligen Fachberater des Öko Teams des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH), Heinz Gengenbach, und der zuständigen Stelle für die Förderung beim Landkreis Darmstadt-Dieburg für eine „schrittweise“ Umstellung. Das bedeutet, während der ersten etwa sechs Jahre existierten zwei Betriebe, der konventionelle und der neue Ökobetrieb. Jährlich kamen mehr Ökoflächen dazu bis hin zur kompletten Betriebsumstellung. 

Der Birkenhof hat sich zu einem breit aufgestellten „gemischten Betrieb“ entwickelt: mit Hühnerhaltung und dem Anbau verschiedener Feldfrüchte (Mais, Getreide) sowie speziellen Sonderkulturen wie Erdbeeren und Grünspargel sowie Direktvermarktung über den eigenen Hofladen, Wiederverkäufer und Großhandel.

Hintergrundinformationen: Umstellung auf Ökolandbau

Bio-Landwirt wird man nicht von heute auf morgen. Vor dem Beginn des Umstellungsprozesses braucht es viel Zeit, Mut und Kraft von Seiten der Landwirt*innen, die eigene Familie und zugleich auch die Mitarbeitenden vom ökologischen Landbau zu überzeugen. Erst danach fängt die eigentliche Arbeit an: mit Hilfe privater, staatlicher oder verbandszugehöriger Berater wird ein neues Konzept erarbeitet, auf dem der zwei- bis drei-jährige Umstellungsprozess aufbaut. Die Einhaltung der neuen Öko-Vorgaben wird sowohl während als auch nach der Umstellung durch externe Kontrollstellen sichergestellt.

Ökolandbau bedeutet nicht einfach, den mineralischen Dünger und die chemischen Spritzmittel wegzulassen, sondern eine vollständige Veränderung des Betriebs hin auf ein biologisches System. Sowohl persönliche Faktoren als auch die Abstimmung und Einigkeit in der Familie für dieses Ziel sind zu berücksichtigen. Dazu kommen wirtschaftliche Faktoren wie Personalkosten, Betriebsmittel und Vermarktungsoptionen. Das notwendige Know-how der ökologischen Anbauweise wie z.B. biologischer Pflanzenschutz, Unkrautregulierung und geeignete Sortenauswahl und Fruchtfolge werden mit Hilfe ausgebildeter Berater erworben. 

Interessierte Landwirte und Gärtner können sich beispielsweise an folgende Ansprechpartner wenden:

Umstellungsberatung Land Hessen: 
Sandra Höbel, Beratungsteam Ökologischer Landbau 
Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH)
Telefon: 06155/7980023 

Ökoverbände in Hessen:
Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL) 
Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis und Gäa 
https://www.voel-hessen.de/ 

Bodenseminar der Ökomodell-Region Süd rüstet Praktiker für die Zukunft

Hofgut Habitzheim, 24.09.2020. Neue Wege im Pflanzenbau – diese zu finden und zu beschreiten, wird nicht zuletzt durch die Folgen des Klimawandels nötig. „Im Boden liegt der Schlüssel zur Steigerung der Düngeeffizienz und zur Stabilisierung der Erträge“, sagt Bodenexpertin Dr. Sonja Dreymann, die aus Kiel nach Habitzheim gekommen war. Einen Tag lang referierte sie auf dem Hofgut Habitzheim vor interessiertem Fachpublikum, erst in der Theorie und später auf dem Acker. 

Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte sie, wie sich Probleme im Bereich von Nährstoffverhältnissen, Humusaufbau und Düngung bemerkbar machen. Und sie wies Wege auf, wie man die Verhältnisse im Boden für eine langfristige Bodenfruchtbarkeit ausgleichen kann. Eine Überprüfung der Düngewirksamkeit kann ebenso dazu beitragen wie eine Begrünung durch Untersaaten und Zwischenfrüchte, die  die Bodenbiologie lebendig halten. Wie der Boden rund um das Hofgut Habitzheim beschaffen ist und welche Testmethoden es gibt, zeigte sie mit Hilfe von Bodenprofilen. Diese hatte Jens Graf, Betriebsleiter auf dem Hofgut Habitzheim, eigens für den Seminartag mit einem Bagger angefertigt. 

25 Praktiker, Landwirte, aber auch Beraterinnen wie etwa von der AGGL (Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft Region Starkenburg), waren gekommen, hatten zum Teil eigene Bodenproben mitgebracht. Als lehrreich und bereichernd, gerade im Hinblick auf ganz neue Methoden, Forschungsergebnisse und den Austausch untereinander, werteten die Teilnehmer den Seminartag. Besser gerüstet mit Knowhow für weitere Trockenjahre machte man sich am Ende auf den Weg. Eingeladen hatte das Projektteam der Ökomodell-Region Süd. Weitere Veranstaltungen zum Thema Nachhaltige Bodennutzung für Praktiker sind geplant.

Hintergrund: Dr. Sonja Dreymann absolvierte vor ihrem Studium der Agrarwissenschaften eine Ausbildung zur staatlich geprüften biologisch-technischen Assistentin. Nach ihrer Promotion am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Universität Kiel arbeitete sie mehrere Jahre in der Landmaschinen-Branche und in der Agrar-Umwelt-Beratung. Seit 2015 ist sie als selbständige Pflanzenbau-Beraterin tätig. Mehr unter: https://www.dreymann-agrar.de

 

Solidarische Landwirtschaft und Market Gardening im Porträt

In Zeiten immer länger werdender Lieferketten wünschen sich viele Verbraucher, mehr über die Herkunft ihrer Lebensmittel zu erfahren. Die Konzepte Solidarische Landwirtschaft (abgekürzt: SoLaWi) und Market Gardening sind zwei Möglichkeiten, die eine enorm hohe Transparenz an den Tag legen und die Distanz zwischen den Orten des Anbaus und des Verbrauchs verringern wollen. Über die beiden Formen des Anbaus und der Vermarktung berichtet die Geschäftsstelle der Ökomodell-Region Süd: „Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ist in Deutschland seit einigen Jahren im Aufwind.“  Auch in Südhessen haben sich bereits einige Strukturen gebildet.

Wie ist es möglich, angesichts des globalen Super-Marktes naturbelassene, frische Lebensmittel zu bekommen, ohne sie selbst anbauen zu müssen? Mit dieser Fragestellung haben sich immer mehr Verbraucher, aber auch Erzeuger auseinandergesetzt. Beim Konzept der SoLaWi bezieht ein fester Verbraucher-Kreis ganzjährig das Gemüse von diesem Betrieb. Im Gegensatz zur Gemüse-Abokiste tragen die Mitglieder einer SoLaWi das Ernteausfallrisiko der Landwirte mit. Die Mitglieder sind in der Regel sehr nah an der Produktion, von der Abstimmung über die anzubauenden Pflanzen bis hin zu Ernteeinsätzen. Hierdurch können auch spezielle Gemüsesorten angebaut werden, die es im Handel nicht gibt. „Dieses Mehr an Bewusstsein für die Produktion ist wichtig, damit auch etwaige Qualitätsschwankungen wie krummes Gemüse oder die witterungsbedingte schlechte Ernte einer Kultur von den Konsumenten mitgetragen werden. Für die Unternehmer ist es oft sehr erfüllend zu wissen, wo ihre Erzeugnisse hingehen. Außerdem haben sie mit diesen Systemen jegliche Zwischenhändler ausgeschaltet und vermarkten direkt.“

Das Ziel des Market Gardenings ist es, auf kleiner Fläche möglichst effizient, sprich möglichst viel Gemüse anzubauen. Der Begriff wurde von Jean-Martin Fortier und Eliot Coleman geprägt. Bereits im 18. Jahrhundert wurde in Frankreich auf diese Art für Städte wie Paris feinstes Gemüse angebaut. In Deutschland gibt es hier aktuell einen deutlichen Trend, der sich in zahlreichen Buchveröffentlichungen, Videos und praktischen Beispielen äußert.

Market Gardening setzt auf leichte und günstige, aber dennoch effektive Handtechnik. Durch diese Kombination kann bereits auf 500 bis 2000 Quadratmetern eine Existenz finanziert werden, was einen leichten Einstieg in professionelles Gärtnern ermöglicht. Market Gardening setzt auf viel Handarbeit, die den Boden möglichst wenig bearbeitet, sondern diesen mit Kompost und organischem Dünger anreichert. Dadurch entsteht auf relativ kleiner Fläche eine Großzahl verschiedener Obst- und Gemüsesorten. 

Ein Vorteil beider Strukturen ist, dass der lästige Plastikverpackungsmüll durch die Abholung des Gemüses in Kisten komplett entfällt.

„Auch in der Ökomodell-Region Süd wird diese Art, Obst und Gemüse anzubauen, von verschiedenen Akteuren erfolgreich betrieben. Ein Beispiel ist der Gemüsegarten Hoxhohl von Vivian Glover im Modautal. Auf einer Fläche von 2200 Quadratmetern pflanzt sie 60 Gemüsekulturen für eine Solidarische Landwirtschaft mit etwa 90 Haushalten aus der Region an. Wie das funktioniert, erklärt sie im Video Solidarische Landwirtschaft & Market Gardening, das wir vom Projektteam in Hoxhohl gedreht haben“, schreibt das Team der Geschäftsstelle. 

Die Ökomodell-Region Süd, insbesondere der Kreis Darmstadt-Dieburg, ist ein regelrechter Hotspot für diese speziellen kundennahen Kleinstrukturen. Weitere Beispiele hierfür sind die 2019 gegründete SoLaWi in Groß-Umstadt, die SoLaWi des Lindenhofes in Ober-Ramstadt sowie im Nebenerwerb Annette Däschner in Groß-Umstadt und Kirsten Kummetat-Rottstedt in Babenhausen. Alle SoLaWis und Market Gardening-Projekte in der Ökomodell-Region Süd kann man hier finden.

Den Filmbeitrag „Solidarische Lanwirtschaft & Market Gardening“ der Video-Reihe „Schritte für mehr Bio“ gibt es am 21. September im Programmkino Rex in Darmstadt. Gezeigt wird er im Vorprogramm des Dokumentarfilms „Fair Traders“, der um 20.15 Uhr startet. Und natürlich exklusiv auf dieser Seite!

 

Weiterer Kurzfilm wurde im Rahmen des AlleWeltKinos Darmstadt uraufgeführt. 

Nach der erfolgreichen Premiere des Kurzfilms „Initiativen und Innovationen“, der in Zusammenarbeit der Ökomodell-Region Süd mit dem Landwirt Alexander Kern aus Mossautal entstanden ist und am 6. September im Darmstädter Programmkino Rex uraufgeführt wurde, ging die Kurzfilmreihe „Schritte für mehr Bio“ in die zweite Runde. 

Der zweite Film trägt den Titel „Bio-Milch aus Südhessen“ und porträtiert die beiden Odenwälder Bio-Milchbauern Christian Zimmermann aus Oberzent und Gerd Arras aus Reichelsheim. Den beiden seit mehreren Jahren bio-zertifizierten Landwirten liegt das Wohl ihrer Tiere sehr am Herzen – sie haben daher keine Kosten und Mühen gescheut, um ihnen eine artgerechte Tierhaltung zu ermöglichen. 

Aufgrund der Futterzusammensetzung, die hauptsächlich aus Gras, Kräutern, Heu und Silage besteht, geben Milchkühe, die nach Bio-Richtlinien gehalten werden, bis zu 1/3 weniger Milch als ihre Artgenossinnen aus der konventionellen Landwirtschaft. Doch durch die immer trockeneren Frühjahre wird es zunehmend schwerer für die beiden Landwirte, genügend Futtererträge für ihre Milchkühe zu erwirtschaften. Daher sind sie immer mehr auf den Zukauf von Futter angewiesen. Der Verzicht auf Kraftfutter, wie z.B. Sojaschrot oder Getreide, ist jedoch maßgebend für die gute Qualität von Bio-Milch, insbesondere für die hohen Omega-3-Fettsäuren. 

Sowohl Zimmermann als auch Arras verkaufen ihre Milch an die Milchwerke Oberfranken West e.G., bieten sie interessierten Verbraucher*innen jedoch auch rund um die Uhr an sieben Tage der Woche an einem Milchautomaten auf ihren Höfen an. Dabei handelt es sich um unbehandelte Milch, d.h. Rohmilch. Des Weiteren bietet Gerd Arras vom Hardthof seit neustem verschiedene Käsevariationen an, die von der Kirchenkäserei Sindolsheim hergestellt werden und ins ausgewählten Läden der Region verkauft werden.

Im Rahmen des AlleWeltKinos des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt, das zurzeit unter dem Motto „Gutes Leben“ läuft, war das oben beschriebene Videoprojekt am 14. September im Vorprogramm des Hauptfilms „2040-Wir retten die Welt“ im Programmkino Rex in der Darmstädter Innenstadt zu sehen. Für alle, die an dem Termin nicht teilnehmen konnten, ist das Video auch auf dem Youtube Kanal der Ökomodell-Region SÜD unter dem Titel „Schritte für mehr Bio: Bio-Milch aus Südhessen“ zu sehen.

Kurzfilme porträtieren Heldinnen und Pioniere des Ökolandbaus in der Region

Darmstadt, 03.09.2020

Was sind das für Menschen in unserer Region, die den Schritt gewagt haben und ihre Wirtschaftsweise auf Bio umgestellt haben? Die aller Arbeitsintensität, Dürrejahren und sonstigen Herausforderungen zum Trotz Formen des Landbaus und der Tierhaltung betreiben, die unsere natürlichen Ressourcen schonend behandeln. Die dafür sorgen, dass ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse für uns Verbraucher gesund, lecker und unbelastet sind.

„Wir möchten die Gesichter zu den Geschichten zeigen“, beschreibt Robert von Klitzing, einer der Projektmanager der Ökomodell-Region Süd, das Vorhaben des Projektteams. Mit dem Video-Projekt „Schritte für mehr Bio“ sollen interessante Akteure des Ökolandbaus, die besonderen Herausforderungen, aber auch die vielen positiven Effekte auf Mensch und Umwelt einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. „Dass die Landwirtschaft vor einer notwendigen Transformation steht, ist mittlerweile großen Teilen der Bevölkerung klar, die Verbraucher spielen auch eine große Rolle in den notwendigen Veränderungen – Fridays For Future, Earth Overshoot Days sowie die zwei Trockenjahre 2018 und 2019 haben dafür gesorgt.“ Und doch: Die ökologische Wirtschaftsweise ist trotz eines stetig wachsenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung in Südhessen immer noch mit knapp 10 Prozent sehr stark unterrepräsentiert. „Die Bio-Betriebe der Ökomodell-Region Süd können also ohne Übertreibung als absolute Pioniere und Local Heroes bezeichnet werden. Den Weg zu mehr biologischer Landwirtschaft möchten die Ökomodell-Regionen Hessens ebnen und begleiten, damit es mehr werden, also zeigen wir Beispiele zum Nachahmen“, skizziert Projektmanagerin Alexandra Hilzinger das Vorhaben, das sich alle Hessischen Ökomodell-Regionen auf die Fahnen geschrieben haben.

Das südhessische Projekt „Schritte für mehr Bio“ zeigt anschaulich in einer Videoreihe, wie es gehen kann. Denn die zahlreichen Ansätze, einen ökologischen und nachhaltigen Landbau in der Region voranzubringen, sind so vielfältig wie die Region selbst. Es geht um Themen wie „Imkerei und Landwirtschaft“, „Bio-Milch aus Südhessen“, „Solidarische Landwirtschaft und Market Garden“, „Umstellung auf Bio – ein Prozess“. Insgesamt sind bisher drei Kurzfilme fertiggestellt, ein vierter gerade in Arbeit.  

Als Premiere läuft am 6. September um 16.30 Uhr im Programmkino Rex in Darmstadt im Vorprogramm des Films „Brot – das Wunder das wir täglich essen" der Beitrag „Initiativen und Innovationen“ der Ökomodell-Region Süd. In dem achtminütigen Film wird der Hof am Mühlgrund in Mossautal vorgestellt. Dort hält Bio-Landwirt Alexander Kern Hühner der sogenannten Zweinutzungsrasse Coffee & Cream der Ökologischen Tierzucht gGmbH, einer gemeinnützige Initiative von Bioland und Demeter, die eine Revolution in der Hühnerzucht startet. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass mit jeder Legehenne auch ein Bruderhahn aufgezogen wird. Damit die Vermarktung der Zweinutzungsrassen funktioniert, hat sich Alexander Kern etwas Besonderes ausgedacht. Er bietet Hühner-Abos an. Kunden bekommen neben den Eiern auch den Bruderhahn und die Legehenne sobald diese reif für die Schlachtung sind. Mehr Informationen hier

Weitere Kurzfilme der Reihe „Schritte für mehr Bio“ werden wie folgt gezeigt:

  • 14. September „Bio-Milch aus Südhessen“
  • 21. September „Solidarische Landwirtschaft & Market Gardening“
  • 19. Oktober „Umstellung auf Bio – Wie geht das?“


Mehr Informationen zur Dokureihe „Gutes Leben“ des AlleWeltKinos und den Filmen im Vorprogramm finden Sie hier!

Darmstadt, 30.06.2020.

Nun ist es offiziell: Das Projekt Ökomodell-Region Süd, das im Jahr 2019 an den Start gegangen ist, wird vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz verlängert. Für alle bereits bestehenden Hessischen Ökomodell-Regionen ist eine Laufzeit von weiteren fünf Jahren ab Januar 2021 geplant.

Größte Ökomodell-Region Hessens im Süden

Auch der Kreis Bergstraße ist künftig dabei: Der von allen Seiten gewünschte Beitritt zur bestehenden Modell-Region wurde ebenfalls genehmigt. Somit wird das Projektgebiet der Ökomodell-Region Süd ab 2021 einen beträchtlichen Teil Südhessens umfassen. Flächenmäßig und bezogen auf die Einwohnerzahl handelt es sich um die größte Ökomodell-Region in ganz Hessen.
Bisher sind der Odenwaldkreis und der Landkreis Darmstadt-Dieburg Träger des geförderten Projekts, der Kreis Groß-Gerau und die Biostadt Darmstadt sind Partner der Ökomodell-Region Süd. Die Geschäftsstelle der Ökomodell-Region Süd hat ihr Büro in Kranichstein beim Landkreis Darmstadt-Dieburg eingerichtet. Dort koordiniert ein Team bestehend aus Alexandra Hilzinger, Angelika Jenke und Robert von Klitzing die Aufgaben.

Die drei wollen nun die bereits begonnene Arbeit fortführen und weitere Impulse für mehr Bio in Südhessen setzen. Viele Menschen aus der Region haben sich seit der Auftaktveranstaltung im März 2019 in sieben Projektgruppen und einem Fachbeirat in das Netzwerkprojekt eingebracht.

Nachfrage nach Bio-Produkten weiter im Aufwärtstrend

„Die Verlängerung ist wichtig für die Region, denn obwohl bisher viel Arbeit, Expertise und Herzblut in das Projekt geflossen ist, gibt es noch eine große Menge Zukunftsaufgaben für die Weiterentwicklung des Bio-Anbaus vor Ort. Wir freuen uns, dass wir noch weitere Jahre und jetzt gemeinsam mit dem Kreis Bergstraße an diesen Zielen arbeiten können“, betont das Projektteam. Die Hessische Landesregierung will den Anteil des Bio-Anbaus in Hessen bis 2025 auf 25% erhöhen. Und die Chancen, dies zu erreichen, stehen gut, denn die Nachfrage nach Bio-Produkten ist ungebrochen im Aufwärtstrend. Seit den Beschränkungen durch Corona und einem dadurch verändertem Konsumverhalten ist sie noch einmal deutlich angestiegen.

„Um diese Nachfrage aus unserer Region bedienen zu können, sind Aufbau und Ausbau der bio-spezifischen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen im Projektgebiet eine unserer zentralen Aufgaben. Hier arbeitet das Projektteam an Partnerschaften mit dem Lebensmitteleinzelhandel sowie mit Großküchen“, heißt es aus der Geschäftsstelle. Das Projekt Nose to Tail, bei dem Bio-Rinder aus dem Odenwald in den Mensen des Studierendenwerks Darmstadt vollverwertet als schmackhafte Bio-Gerichte auf den Tellern angerichtet werden sollen, wartet praktisch auf die Wiederaufnahme des Studienbetriebs. Dass die Corona-Pandemie die Arbeit in vielen Bereichen der Ökomodell-Regionen ausgebremst hat und fertige Projektplanungen erst einmal in die Schublade wanderten, macht die Verlängerung umso wichtiger. „Wenn wieder mehr Menschen in die Mensen gehen, kann es losgehen. Das Projekt ist vorbereitet und startklar, die notwendigen Akteure haben kurz vor dem Corona-Lockdown noch gemeinsam an einem Tisch alle Planungen abgeschlossen. Wir sind bereit.“

Kreislandwirte begrüßen Verlängerung

Darmstadt-Dieburgs Kreislandwirt Karlheinz Rück sagt zur Projektverlängerung: „Für mich ist der CO²-Fußabdruck des produzierten Lebensmittels entscheidend – egal, ob öko oder konventionell. Die Ökomodell-Region ist wichtig, um dem Verbraucher die regionale Produktion näher zu bringen. Wenn die Wirtschaftlichkeit für die Betriebe stimmt, sind auch mehr Landwirte bereit, auf Öko umzustellen. Wir Landwirte produzieren das, was der Markt verlangt. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Akteuren bedanken, die sich seither und auch in Zukunft so engagiert hier eingebracht haben und noch einbringen werden, vor allem jetzt auch aus dem Kreis Bergstraße.“ Hans Trumpfheller, Kreislandwirt des Odenwaldkreises und Bio-Bauer seit 2008, bestätigt die Notwendigkeit verbesserter Vermarktungsstrukturen: „Die Vermarktung regionaler landwirtschaftlicher Produkte und Bioprodukte aus dem Odenwald braucht Unterstützung. Der bio-zertifizierte Odenwald-Schlachthof in Brensbach ist ein Eckpfeiler der regionalen Fleischerzeugung und -vermarktung und muss gerade in einer Krise wie jetzt erhalten und gefördert werden.“ Dass der Zusammenschluss mit dem Kreis Bergstraße folgerichtig war, findet auch Kreislandwirt Werner Wald, der den Kreis Groß-Gerau vertritt. Er erhofft sich für seine Kolleginnen und Kollegen gute Absatzzahlen beim Bio-Anbau.

Vernetzungsprojekt für Kreise und Stadt Darmstadt wichtig

Beim Ersten Kreisbeigeordneten des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Robert Ahrnt, sorgt die Nachricht aus dem Ministerium für Freude: „Die Verlängerung ist enorm wichtig, um einige der größeren Ziele wie etwa die Einführung einer Onlineseite „Plattform Bio“ erreichen zu können. Die Agrar- und Ernährungswende hin zu mehr Bio braucht weiter unsere Unterstützung und ist eine Aufgabe, die der gesamten Bevölkerung dient. Neben den Kernthemen wie beispielsweise Grundwasserschutz und dem Aufbau von bio-Regionalen Wertschöpfungsketten wird in diesem Projekt auch die interkommunale Zusammenarbeit der beteiligten Landkreise und der Stadt Darmstadt ständig verbessert.“
Der Kreisbeigeordnete Andreas Funken, Odenwaldkreis, sagt zur Verlängerung des Projekts: „Regionale Bioproduktvermarktung kann nur gelingen, wenn die unterschiedlichen Akteure gut vernetzt sind und die Bevölkerung gut mitgenommen wird. Die Verlängerung des Projekts und die Aufnahme der Bergstraße in die Modell-Region sind daher sehr zu begrüßen und bieten neues Potential. Unser zertifizierter Bio-Schlachthof in Brensbach beispielsweise ist der einzige in der Modell-Region, von dem aus Fleisch aus der Region für die Region kommt – und das bio-zertifiziert. Die Mitarbeiter, die dort arbeiten, kommen auch aus der Region. Wie man aktuell sieht, können das nicht viele bieten. Hinzu kommt, dass kilometerweiter Transport von Tieren zum Schlachten weder umweltfreundlich ist noch dem Tierwohl dient.“

Auch der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer (Kreis Groß-Gerau) sieht die Verlängerung als sehr wichtig für seinen Kreis an: “Ökolandbau ist Grundwasserschutz und das Hessische Ried versorgt große Teile der Region wie auch Darmstadt und Frankfurt mit sauberem Trinkwasser und unsere Bio-Bauern im Kreis Groß-Gerau brauchen unbelastetes Grundwasser für eine sichere Produktion. Gerade auch vor dem Hintergrund des Klimawandels wird die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Wasser eine große Herausforderung sein.“

Barbara Akdeniz, Stadträtin der Wissenschaftsstadt Darmstadt, freut sich ebenfalls über die Botschaft aus Wiesbaden. „Die Beteiligung am Projekt Ökomodell-Region Südhessen ist für die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine Herzenssache – sie ergänzt ideal unsere Bemühungen um Klimaschutz und entspricht unseren Zielen nach naturnahen, umweltverträglichen, nachhaltigen Wirtschaften. Umso mehr freuen wir uns, dass nun auch der Kreis Bergstraße diese Ziele tatkräftig unterstützen wird.“

Landrat Christian Engelhardt vom Kreis Bergstraße sagt zu den Zukunftsaufgaben seines Kreises im neuen Verbund der Ökomodell-Region Süd: „Wir setzen im Rahmen des Projektes Ökomodell-Region Süd unter anderem auf den Auf- und Ausbau von Vermarktungsstrukturen und die Förderung der Digitalisierung der Landwirtschaft. Die Digitalisierung kann der Landwirtschaft enorme Vorteile bringen, das Stichwort ist hier das ‚Precision Farming‘“, unterstreicht Landrat Christian Engelhardt. „So kann beispielsweise durch GPS-gesteuerte Technik der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln reduziert werden.“

Ökolandbau ist Antwort auf viele Umweltfragen

Überdurchschnittliche Temperaturen und lange Trockenphasen, auch in diesem Jahr wieder mit teils dramatischen Folgen, bringen Agrar- und Ökosysteme an ihre Grenzen. Nicht nur Landwirte, sondern inzwischen auch große Teile der Bevölkerung, sorgen sich zurecht. „Der Klimawandel ist da und es ist dringend notwendig, sich als Region darauf einzustellen und anzupassen“, verweist das Projektteam auf die aktuellen Herausforderungen. Antworten und Lösungen kann der Ökolandbau geben: CO²-arme Produktionsverfahren, kurze Transportwege, Humusaufbau, enkeltaugliche Anbauverfahren mit schonendem natürlichen Pflanzenschutz. Dafür setzt sich die Ökomodell-Region Süd seit einem Jahr ein. Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren und Unterstützern geht es nun in eine neue Runde.

Videobeiträge entstehen während Corona-Lockdown

Wie der Ökolandbau in der südhessischen Modell-Region funktionieren kann, wie die Biobauern arbeiten und was sie bewegt, das zeigt in Kürze die Fortsetzung eines Video-Projekts der Reihe „Schritte für mehr Bio“. Gesichter und Geschichten aus der Region, erzählt über das Medium Video, wurden während des Lockdowns recherchiert und unter strengsten Hygiene – und Abstandsregelungen auf Film gebannt.

Am 08.06.2020 hat das Team der Geschäftsstelle der Ökomodell-Region Süd den 4. Newsletter verschickt.

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In dieser Zeit ohne Großveranstaltungen denken wir gerne zurück an das letzte Plenum der Ökomodell-Region SÜD mit rund 200 Teilnehmer*innen. „Umstellung auf Bio – kommt der Markt mit?“, so lautete der Vortrag unseres Gastredners Prof. Dr. Jan Niessen, der jetzt online ist. Landwirt Kai Schellhaas, von dem wir hier berichten, hat die Zeichen der Zeit erkannt und stellt seinen Betrieb derzeit auf Öko um…

Bio im Aufwind

Riedstadt-Crumstadt / Darmstadt, 03.06.2020. Tier-, Klima- und Umweltschutz sind unter den Eindrücken der Corona-Pandemie bei den Verbrauchern noch stärker in den Blickpunkt gerückt. Gleichzeitig legen aktuell fast 22 Prozent der Befragten höheren Wert auf Bio-Produkte als zuvor, so das Ergebnis einer Studie der Universität Göttingen (https://www.uni-goettingen.de/de/publikationen/11274.html).

Kai Schellhaas aus Riedstadt-Crumstadt hat die Zeichen der Zeit erkannt und befindet sich mit seinem 160 ha großen Betrieb seit 2019 in der Umstellung auf Öko. Eine durchaus herausfordernde Zeit, wie der 32 jährige Landwirt aus Erfahrung zu berichten weiß: „Die Vermarktung insbesondere in der Umstellungsphase stellt mich vor die größten Herausforderungen“.

Einfallsreichtum ist gefragt: Da Schellhaas und seine Freundin aufgrund der Corona-Situation noch eine große Fuhre Umstellungs-Weizen aus eigenem Anbau im Lager hatten, kamen sie auf folgende Idee: Sie haben sich eine eigene Mühle angeschafft, um ein Weizen-Vollkornmehl selbst zu produzieren und in ausgewählten Geschäften in den umliegenden Ortschaften zu vermarkten. Neben Weizen baut der Betrieb auch zahlreiche andere Kulturen wie z.B. Dinkel, Emmer, Zwiebeln und Haselnüsse an. Weitere Informationen unter: www.biolandhof-schellhaas.de

Der umweltschonende Bio-Anbau soll in Südhessen weiter ausgebaut werden. Eine Haupt-Voraussetzung dafür ist, dass auch die Abnahme am Markt gut funktioniert. Aktueller denn je kann daher der Vortrag „Umstellung auf Bio – kommt der Markt mit?“ zum Denken und Handeln anregen. Der Vortrag war ein Teil des Plenums der Ökomodell-Region Süd in Darmstadt  und wurde von Prof. Dr. Jan Niessen von der Technischen Hochschule Nürnberg, Experte auf dem Gebiet der Bio-Vermarktung, gehalten. Das empfehlenswerte Video steht jetzt unter https://www.youtube.com/watch?v=J_cAsiEVpbg&t=19s für alle Interessierten bereit. Eine zusammenfassende schriftliche Dokumentation des Plenums zum Thema Bio-Vermarktung finden Sie unter https://www.oekomodellregionen-hessen.de/images/sued/aktuelles/2020/Dokumentation%20Plenum%20II%20am%2022.%20November%202019.pdf.


Zahlreiche Umweltprobleme sind menschengemacht und deren Ausmaß und Konsequenzen werden immer deutlicher sichtbar. Aus diesem Grund und als ein Baustein, betont Niessen, sei die Arbeit der Ökomodell-Regionen, den ökologischen Landbau auszubauen und weiterzuentwickeln, sehr wichtig. 

Es gibt eine große Vielfalt an möglichen Vermarktungsstrukturen und -wegen für biologisch erzeugte Lebensmittel. An Beispielen wie den aktuellen Erfolgen von Direktvermarktern bis hin zu Bio-Produkten im Discounter erläutert der Fachmann positive Marketing-Wege mit seinem breiten Insiderwissen. Dagegen sieht er auch die große Diskrepanz zwischen Einstellungen und dem tatsächlichen Kaufverhalten – „wir sind als Verbraucher alle ein bisschen gut und ein bisschen böse“, wie der Experte betont. Gleichzeitig wiederum kann die Umsetzung der guten Verbraucher-Vorsätze mit passendem Marketing unterstützt werden. 

Alles in allem ist Niessens Vortrag ein starker Impuls an alle, weiter an einem „Mehr Bio“ zu arbeiten und sich damit die Lebensgrundlagen nicht selbst weg zu „dumpen“.

Wenn wir mehr Bio zur Ernährung wollen, muss die gesicherte Abnahme der Erzeugnisse im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen. Dies zeigte sich im Laufe des Plenums immer wieder. Nur wenn der ganze Weg vom Erzeuger bis zu den Verbrauchern steht, kann der Ökolandbau in der Region nachhaltig gestärkt werden. Durch das Projekt Ökomodell-Region werden die Vernetzung der Region mit der Stadt Darmstadt – denn hier leben die meisten Verbraucher/innen – ebenso wie die Verzahnung der Akteure/innen und Initiativen gestärkt. Dies betonte auch Umweltdezernentin Barbara Akdeniz, die Gastgeberin der Großveranstaltung im Herzen Darmstadts war und die die Wissenschaftsstadt als Projektpartnerin vertritt.

Zur Person Prof. Niessen

Prof. Dr. Jan Niessen gilt als einer der erfahrensten Experten auf dem Gebiet der Bio-Vermarktung. Er war von 2012 bis 2018 als Geschäftsleiter der Marketing-Abteilung des größten deutschen Bio-Anbauverbands Bioland in Mainz tätig, bevor er 2018 an die TH Nürnberg wechselte (https://www.th-nuernberg.de/person/niessen-jan/). Dort lehrt Niessen als Studiengangsleiter im Studiengang Betriebswirtschaft „Management in der Biobranche". Zudem forscht er zu den Themen Strategische Marktbearbeitung in der Biobranche, Marketing, Stakeholder-Verhalten und nachhaltigem Wirtschaften. Darüber hinaus engagiert Jan Niessen sich im Vorstand des Regionalfenster e.V. (www.regionalfenster.de).

26.03.2020. Erntehelfer-Ausfall in Zeiten der Krise: Der Austausch mit mehreren Akteuren/innen unserer Ökomodell-Region Süd hat uns die Wichtigkeit und Aktualität dieses Themas bestätigt. Es fehlen zur Zeit zahlreiche Saisonarbeitskräfte und Erntehelfer/innen in den landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben aufgrund der Grenzen-Schließungen und Einreisestopps.

Für unsere Betriebe erschwert dieser Zustand die Planbarkeit in der Produktion und die Ernte.

Die Plattform www.daslandhilft.de des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ist diese Woche an den Start gegangen, um sich dieses Problems anzunehmen. Sie will helfen zu verhindern, dass tonnenweise regionales Obst und Gemüse ungeerntet bleiben, weil Erntehelfer/innen fehlen.

Wenn Sie als Erzeuger/in Hilfe brauchen oder wenn Sie helfen wollen, nutzen Sie diese Plattform und geben Sie diese Information gerne weiter. Aber vor allem: Bleiben Sie alle gesund!

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