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Die Ökomodell-Region Lahn-Dill-Giessen

Ackervielfalt mehren – Klima schützen

Die Ökomodell-Region setzt sich für vielfältige Fruchtfolgen und klimaschonende Anbauverfahren ein. Im Besonderen liegt der Fokus auf heimischer Eiweißpflanzenerzeugung und innovativen Gemüseanbauverfahren.

Hinsichtlich der angebauten Ackerkulturen sind bereits einige Betriebe experimentierfreudig. In der Ökomodell-Region Lahn-Dill-Gießen finden sich schon jetzt Urgetreide, Buchweizen, spezielle Ölsaaten, Linsen oder Öko-Soja. Außerdem findet Öko-Saatgutvermehrung statt. Diese Vielfalt im Ackerbau soll durch die Ökomodell-Region gefördert und gestärkt werden. Gerade die heimische Erzeugung von Eiweißfutter ist für die Tierhalter ein wichtiges Thema. In den Gunstlagen der Ökomodell-Region bietet beispielsweise der Anbau von Öko-Soja großes Potential – auch für die menschliche Ernährung.

Die Förderung vielfältiger Fruchtfolgen und seltener Erntekulturen sowie Anbauverfahren z.B. zur Humusmehrung sind ein wichtiges Ziel der Ökomodell-Region. Auch die Verkürzung von Transportwegen durch Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten und Reduktion von Tiertransporten sind wertvolle Beiträge zu Tierwohl und Klimaschutz.

 

EIP-Projekt Mulchgemüse

Klimaangepasster Gemüsebau in der ÖMR Lahn-Dill-Gießen

In den vergangenen Jahren hatte die heimische Landwirtschaft unter starker Trockenheit zu leiden. Besonders hart trifft dies unter anderem den Gemüsebau, da die Gemüsekulturen einen hohen Wasserbedarf haben. An einer Lösung für dieses Problem arbeiten derzeit vier landwirtschaftliche Betriebe aus der Ökomodellregion Lahn-Dill-Gießen in Zusammenarbeit mit der Justus-Liebig-Universität Gießen. Im Rahmen eines EIP-Projekts, an dem auch die Ökomodellregion Lahn-Dill-Gießen, die live2give GmbH aus Dickendorf im Westerwald sowie ein landwirtschaftlicher Betrieb außerhalb der ÖMR Lahn-Dill-Gießen beteiligt sind, wird ein Anbauverfahren erprobt, welches eine ressourcenschonende Gemüseproduktion ermöglichen soll: der Mulch-Gemüsebau. Das Projekt wird durch die Europäische Union im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP-Agri) und durch den Entwicklungsplan für den ländlichen Raum des Landes Hessen 2014 - 2020 (EPLR) für 3 Jahre (2020 bis 2023) gefördert. Das Anbauverfahren ermöglicht es, trotz der durch den Klimawandel bedingten Trockenperioden Gemüsebau ohne umfangreiche Bewässerungssysteme in unserer Region zu betreiben.

Wie funktioniert das?

Beim Mulch-Gemüsebau wird zunächst eine Zwischenfrucht als Mulchmaterial angebaut, die nach dem Schnitt auf der Fläche verbleibt. Zusätzlich wird weiteres Mulchmaterial nachgestreut. Dieses Vorgehen wird als Kombi-Mulch-Verfahren bezeichnet. In die Mulchschicht werden dann Gemüsejungpflanzen gesetzt. Dafür kommt eine spezielle Pflanzmaschine zum Einsatz, die von der live2give GmbH entwickelt wurde. Im ersten Projektjahr (2020) wurden Weißkohl, Kürbis und Zuckermais angebaut. Für das zweite Projektjahr ist eine Ausweitung der Kulturen und der Anbauflächen geplant.

Was sind die Vorteile?

Die Mulchschicht beschattet den Boden, wodurch weniger Wasser verdunstet. So steht das im Boden vorhandene Wasser den Gemüsepflanzen länger zur Verfügung. Der Wassereintrag aus Niederschlägen kann dadurch weitgehend von den Gemüsepflanzen genutzt werden und kann bereits ausreichend für die Wasserversorgung sein, auch wenn es seltener regnet. Auch in diesem Anbauverfahren ist es manchmal notwendig, die Pflanzen zusätzlich zu wässern. Das geschieht aber in deutlich geringerem Umfang als im herkömmlichen Gemüsebau. 

Doch der verbesserte Wasserhaushalt ist nicht der einzige Vorteil der Mulchschicht! Durch die Beschattung des Bodens wird auch der Aufwuchs von Unkräutern eingedämmt, so dass weniger Maßnahmen zu deren Beseitigung nötig sind. Auch die Bodenfruchtbarkeit profitiert davon, denn die Mulchschicht versorgt den Boden mit Nährstoffen und fördert das Bodenleben.

Darüber hinaus ermöglicht dieses Anbauverfahren eine Kohlenstoffeinbindung in den Boden durch Humusaufbau und minimale Bodenbearbeitung. Insofern ist der Mulch-Gemüsebau nicht nur an bestehende Klimaveränderungen angepasst, sondern trägt auch dazu bei, weitere Klimaveränderungen einzudämmen.

Warum ist das bisher eine Nische?

Wenn man bedenkt, dass äußere Faktoren wie die Deckung des Wasserbedarfs durch Regenwasser oder langfristige Produktivitätsverluste durch intensive Bodennutzung in Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen bisher meistens nicht berücksichtigt werden, dann erscheint der Mulch-Gemüsebau auf den ersten Blick weniger rentabel als herkömmliche Anbaumethoden. So wird beispielsweise die Anbaufläche eine Zeit lang durch die Zwischenfrucht, die als Mulchmaterial benutzt wird, blockiert. Es kann in dieser Zeit keine Marktfrucht angebaut werden, durch die der Betrieb kurzfristig Einnahmen generieren könnte.

Auch die Investition in eine spezielle Pflanzmaschine ist eine Hürde, die genommen werden muss, um in den Mulch-Gemüsebau einsteigen zu können. Darüber hinaus wirken Mulchdecken anziehend auf manche Schädlinge, wie beispielsweise Schnecken. Deren Beseitigung stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.

Wie geht es weiter?

Den genannten Herausforderungen dieser Anbaumethode zum Trotz berichten die beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe von ermutigenden Erfahrungen im ersten Projektjahr. Deshalb werden die im Mulch-Gemüsebau bewirtschafteten Flächen in 2021 ausgeweitet und eine Reihe weiterer Gemüsesorten angebaut (u.a. Knollensellerie, Kohlrabi). Die Vorteile des Mulch-Gemüsebaus wecken bereits das Interesse weiterer Betriebe. 

Wo kann man Mulchgemüse kaufen?

Bisher wird der Großteil des Gemüses über die Direktvermarktung der beteiligten Betriebe vertrieben. Weitere Absatzkanäle sind in Planung. Die Ernte aus 2020 ist nun abverkauft, doch ab Sommer 2021 wird wieder Gemüse frisch vom Acker erhältlich sein. Die beteiligten Betriebe in der ÖMR Lahn-Dill-Gießen sind:

Hof Obersteinberg, Pohlheim

Sonnenhof, Buseck 

Solawi Sonnenhof, Braunfels

Strohlädchen, Wettenberg


 

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